Exkursionen nach Kalkriese, Rom und eben auch Xanten (oder Köln) gehören zur Grundausbildung der Lateinschüler der Anne-Frank-Schule. Am 12. Januar 2017 begaben sich die Kurse der Jahrgangsstufen 10, 11 und 12, zusammen 38 Schüler mit ihren Lehrern Dr. Bernward Fahlbusch und Christian Schiefer Richtung Xanten, - kostengünstig und umweltverträglich mit dem Zug ab Gütersloh.

Ein kurzer Fußweg führte vom Bahnhof in das 80 ha umfassende, nördlich des mittelalterlichen und heutigen Xanten gelegene Gelände der früheren Colonia Ulpia Traiana, von der ca. 3-4 km südlich die Legionslager waren. Dort hatte man (im heutigen Dorf Birten) typisch an der römischen Gräberstraße auch den bekannten Caelius-Stein gefunden.


Kernstück des weitläufigen Geländes „archäologischer Park Xanten“, kurz APX-Park) ist heute das LVR-Römermuseum, ein preisgekröntes Gebäude, das neben und über den römischen Thermen errichtet ist. Seine Ausstellung führt als zeitlich geordneter Rundgang von der Zeit Caesars bis zur fränkischen Besiedlung des Niederrheingebiets. Man trifft auf die ersten Legionäre, die kurz vor der Zeitenwende am Rhein eintrafen, erlebt die dramatischen Auswirkungen weltpolitischer Ereignisse in Rom am Niederrhein und wird Zeuge von Aufstieg und Untergang der römischen Stadt, um kurz nach 98 von Kaiser Traian den Rechtsstatus einer colonia erhalten hatte. Vorbestelltes Mittagessen gab es in einer historischen Mühle, mitten in die Römerstadt gebaut, als noch niemand mehr wusste, dass dort einmal eine antike Siedlung gewesen war.
Das Gelände verfügt über eindrucksvolle und instruktive, wenn auch rekonstruierte Bauten: Teile der Stadtmauer mit Türmen und Toren, einen Tempel, das Amphitheater mit eindrucksvoller Akustik, Wohnhäuser, Herberge usw. In Originalgröße wieder aufgebaut vermitteln sie eine détaillierte, anfassbare Vorstellung des römischen Provinzlebens. Von der Mauer aus konnte man sich gut den früheren Rheinverlauf und die Hafenstelle vorstellen. Heute fließt der Rhein in einigen einhundert Metern weiter östlich. Nette Abwechslung bot ein zeitgenössischer Abenteuerspielplatz.
Die Zeit war zu knapp, um ausführlich noch einen historisch-topographischen Rundgang durch das alter Xanten zu wagen. So blieb es bei einigen Erläuterungen zur Entstehungsgeschichte: Folge der Christianisierung war auch das Entstehen eines Märtyrerkultes mit entsprechender Pilgerbewegung. Folge davon war das Entstehen der Stiftskirche St. Viktor. Diese wiederum war Ansatzpunkt der sich nun ohne räumliche Kontinuität zur Römerstadt entwickelnden Siedlung Xanten. Ob die dargestellten Grundzüge der geistlichen Institution „Stift im Mittelalter“, befestigter Immunitätsbezirk usw. noch ankamen oder in der Kälte verwehten, ist nicht mehr sicher festzustellen.
Bald (wenn auch etwas verspätet) fuhr der Zug wieder Richtung Gütersloh. Insgesamt war es ein sehr informativer und spannender Aufenthalt: Eben Lateinunterricht vor Ort.