Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 11 mit Nevfel CumartDichterlesung mit Nevfel Cumart an der Anne-Frank-Schule Gütersloh

„Diese Doppelstunde Deutsch war wirklich beeindruckend “ – da waren sich viele Schülerinnen und Schüler des 11. Jahrgangs an der Anne-Frank-Gesamtschule einig. Gemeint ist eine Lesung mit dem Dichter Nevfel Cumart, die im Rahmen eines Unterrichtsvorhabens mit dem Titel „Fremdheitserfahrungen in lyrischen Texten“ stattfand und als Einstieg in ein Schreibprojekt diente, in dem die Jugendlichen mit Unterstützung ihrer Deutschlehrerinnen Eva Hilberath, Beate Hinrichs und Petra Monkenbusch eigene Texte zum Thema verfassten.

Nevfel Cumart ist ein deutscher Dichter mit türkischen und arabischen Wurzeln. Er studierte Arabistik, Turkologie, Iranistik und Islamwissenschaft und arbeitet als freiberuflicher Schriftsteller, Übersetzer und Journalist. Außerdem hält er Lesungen und Workshops zum Thema in ganz Deutschland und auch in anderen europäischen Ländern.

Den Deutschkursen der Anne-Frank-Gesamtschule präsentierte er einige seiner Gedichte und erzählte sehr anschaulich von seinen Erfahrungen. Als Deutscher mit Migrationshintergrund lebe er als Grenzgänger zwischen „zwei Welten“, wie esauch in seinem gleichnamigen Gedicht zum Ausdruck kommt. In Deutschland sei er ein „Türkling“, in der Türkei ein „Deutschling“. Es sei nicht leicht gewesen, damit zu leben, vor allem weil man sich dann nicht wirklich heimisch fühlen könne. Deshalb ist ein großes Anliegen Cumarts, durch seine Lesungen und Vorträge „Brücken zu bauen“, die die verschiedenen Kulturen verbinden. Er möchte auf das Thema „Migration und Fremdheit“ aufmerksam machen und dazu aufrufen, Menschen mit Migrationshintergrund besserzu integrieren und Vorurteile aus der Welt zu schaffen. Für sein unermüdliches Bemühen um die „Integration von Zugewanderten und ein gutes Miteinander in unserer Gesellschaft“ bekam er im vergangenen Jahr sogar das Bundesverdienstkreuz.

In den anderthalb Stunden, die für viele Schülerinnen und Schüler viel zu schnell vergingen, hat er ihnen mit Humor und Witz interessante, aber auch sehr traurige Ereignisse aus seinem Leben geschildert. Die Stimmung war durchweg entspannt und überaus herzlich. „ Trotz der ernsten Thematik haben wir viel gelacht mit Herrn Cumart“, sagte eine Schülerin. „Er ist einfach ein sympathischer, offener und toller Dichter.“

Besonders interessant fanden es einige Schülerinnen und Schüler, dass er Gedichte vorlas, die schon im Unterricht thematisiert worden waren: „Es war wirklich spannend, den Autor der Gedichte kennen zu lernen, die wir vorher analysieren mussten, und zu erleben, wie er selbst seine geschriebenen Worte vorlas“, meinten einige der Jugendlichen nach der Lesung. Auch der narrative Stil seiner Gedichte ermöglichte den Schülerinnen und Schülern, die ja selbst zum Teil einen Migrationshintergrund haben, einen guten Zugang zu seinen Texten.

Im Anschluss an die Gedichtvorträge oder auch zwischendurch hatten die Jugendlichen die Möglichkeit Fragen zu stellen, die der Dichter mit einer großen Offenheit beantwortete. „Ich fand es toll, dass Herr Cumart auch persönliche Fragen beantwortet und zum Beispiel über seine Eltern gesprochen hat.“ „Vorher konnten wir immer nur vermuten, was der Dichter sich bei seinen Gedichten gedacht hat. Nun konnten wir endlich einmal nachfragen, in welchen Situationen und warum er einige Gedichte geschrieben hat.“, erklärten einige Schüler, begeistert von Cumarts Ehrlichkeit. Er gab ihnen auch Tipps für das Schreiben der eigenen Gedichte in der anschließenden Schreibwerkstatt.

Die kurze Zeit mit Nevfel Cumart war aufschlussreich und lehrreich. Die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 11 der AFS bedanken sich noch einmal herzlich bei Herrn Cumart dafür, dass er ihnen auf seine humorvolle Weise verdeutlicht hat, wie es ist, mit Vorurteilen zu leben, aber auch wie man damit umgehen kann, um gestärkt aus den Konflikten hervorzugehen. Der Dank gilt außerdem der „Stiftung Lesen“, dem „Goethe-Institut“ und „Bertelsmann“, die gemeinsam mit ihrer Initiative „Lesespaß“ die Lesung ermöglichten.