Europadialog im Jahrgang 11 am 03. Mai 2024

Politiker greifen auf, was Schüler wissen wollen

Von: Regina Bojak, DIE GLOCKE – 04. Mai 2024

Hintergrund:

  • Zum fünften Mal hat der Euro­padialog, ein gemeinsames Ge­sprächsformat von Anne-Frank-Gesamtschule und Volkshoch­schule Gütersloh stattgefunden.
  • Gäste waren Birgit Ernst, Vor­sitzende der CDU-Kreistags­fraktion, Gitte Trostmann, Frak­tionssprecherin von Bündnis 90 / Die Greinen und zweite stellver­tretende Bürgermeisterin der Stadt Gütersloh; Dr. Ulrich Klotz: Mitglied im Kreisvorstand der Gütersloher FDP und Euro­pakandidat auf der Landesliste der nordrhein-westfälischen FDP, und Ingo Stucke, Beisitzer im Vorstand der SPD Ostwestfa­len-Lippe und Europakandidat.
  • Die Schüler stellten sich unter anderem die Fragen, welche Be­rührungspunkte Europa mit ih­rem Alltag hat, und welche Er­wartungen sie an Europa haben.
  • Drei große politische Felder wurden erarbeitet und gemein­sam mit den Politikern disku­tiert. Dabei zeigten die Schüler selbst Probleme und Lösungs­möglichkeiten für bestimmte Be­reiche auf. Die Vertreter der Par­teien erläuterten. Im Anschluss, was aus welchen Gründen vor­stellbar sei und was weniger.

    Fotos: ShmS, ShuL, SueM, KleD

    Aus der NW vom 05.05.2024

    „Europadialog“

    Mit vielen Fotos: Gütersloher Schüler diskutieren mit Politikern über die Europawahl

    Der elfte Jahrgang der Anne-Frank-Gesamtschule und vier Vertreter aus Politik schaffen beim „Europadialog“ ein Lehrstück gesellschaftspolitischer Diskussion.

    Zum fünften Mal wurde in der Anne-Frank-Gesamtschule in Gütersloh beim "Europadialog" über verschiedene Themenfelder diskutiert. | © Stefan Derschum

    Zum fünften Mal wurde in der Anne-Frank-Gesamtschule in Gütersloh beim „Europadialog“ über verschiedene Themenfelder diskutiert. | © Stefan Derschum

    05.05.2024 | 05.05.2024, 14:35
    Gütersloh. Die Luft in der Mediothek der Anne-Frank-Gesamtschule lässt kurz nach Mittag erahnen, dass bereits einige Stunden intensiver Diskussionen in dem großen Raum stattgefunden haben. Sie besitzt nicht mehr die Frische wie um 9 Uhr an diesem Freitag, als der so genannte „Europadialog“, ein Gesprächsformat der Schule in Kooperation mit der VHS Gütersloh, startete. Lediglich eine Pause hat der minutiöse Ablaufplan bislang vorgesehen, und dennoch wirken die mehr als 50 Schülerinnen und Schüler im Alter zwischen 16 und 18 Jahre noch bemerkenswert aufmerksam und konzentriert.

    Frontal sitzen in Ingo Stucke (Beisitzer im Vorstand der SPD Ostwestfalen-Lippe und diesjähriger Europakandidat der SPD), Birgit Ernst (Vorsitzende der CDU-Kreistagsfraktion und derzeit Abgeordnete im Europäischen Parlament), Ulrich Klotz (Mitglied im Kreisvorstand der Gütersloher FDP und Europakandidat auf der Landesliste der nordrhein-westfälischen FDP) und Gitte Trostmann (Fraktionssprecherin von Bündnis 90/Die Grünen und 2. stellvertretende Bürgermeisterin der Stadt Gütersloh) vier Akteure aus der Europa-Politik auf dem Podium. In den eng gefüllten Stuhlreihen des Plenums erwarten Jugendliche, die fast alle Erstwähler bei der kommenden Europawahl im Juni sein dürfen, Kommentare der Politik-Profis zu Fragen und Vorschlägen, die die Schülerinnen und Schüler an diesem Morgen sorgfältig erarbeitet haben.

    Es herrscht eine im besten Sinne distanzlose Atmosphäre. Mariella Gronenthal, stellvertretende Leiterin der VHS Gütersloh, moderiert in lockerem Tonfall. Man steht auf, stellt sich vor, fragt oder antwortet, und nach jedem Wortbeitrag applaudieren alle. Der freundliche, respektvolle Umgang miteinander erinnert etwas an die kommunikativen Formen einer Therapiegruppe. Und irgendwie ist dieses Begegnungsformat nicht allein Dialog, sondern auch wohltuende Therapie gegen leblose TikTok-Algorithmen, die primär auf Klickzahlen hin programmiert sind und oft inhaltsarme Film- und Sprachschnipsel in die Köpfe der Nutzer spülen.

    „Fächer sollten lebens- und berufsbezogener sein“

    Der Weg bis zu dieser abschließenden Phase der Vorstellung und Kommentierung war lang und präzise abgesteckt. „Nach der Begrüßung und Vorstellung gab es zunächst ein Brainstorming in kleineren Gruppen zu europäischen Themen. Im Plenum wurden dann drei Felder ausgewählt, zu denen anschließend wiederum kleinere Gruppen Probleme, aber auch konkrete Maßnahmen erarbeiteten“, beschreibt Michael Schüthuth den bisherigen Ablauf des Tages.

    Der Fachkoordinator für Gesellschaftswissenschaften an der Anne-Frank-Gesamtschule nennt die Felder, für die sich die Jugendlichen entschieden haben: Wirtschafts- und Finanzpolitik, Bildungs- und Jugendpolitik, Klima- und Verkehrspolitik. Der Pädagoge gesteht: „Ich bin selbst überrascht, dass es nicht Friedens- und Asylpolitik geworden sind. Aber bei der Wahl hat sich gezeigt – die persönliche Betroffenheit der Schülerinnen und Schüler war wohl entscheidend.“

    Diese persönliche Erlebniswelt zeigt sich nun auch in den Lösungsvorschlägen der Schülerschaft, die das politische Quartett aufgeschlossen kommentiert. Josef (17) sagt beispielsweise zur Bildungspolitik: „Fächer sollten lebens- und berufsbezogener sein. Ich würde lieber etwas über Steuererklärung erfahren als über den Satz des Pythagoras.“ Bei Ulrich Klotz (FDP) rennt der Schüler „offene Türen ein“: „Du hast recht. Ich habe im Deutschunterricht einmal das deutsche Gesundheitssystem erklärt.“

    Hätte die AfD eingeladen werden müssen?

    Realitätsbezug sei enorm wichtig, bekräftigt er und bekommt Zustimmung auf dem Podium. Birgit Ernst (CDU), Steuerberaterin, wird später sogar ihre Fachkompetenz in Sachen Steuererklärung anbieten. „Bildungspolitik ist etwas, wo man eine Lanze für Europa brechen kann. Es gibt so viele Möglichkeiten“, sagt sie, fordert aber gleichzeitig – wie das gesamte Quartett – „Selbstständigkeit und Eigeninitiative“ von den Jugendlichen. Gitte Trostmann (Bündnis 90/Die Grünen) ergänzt: „Erkennt, was für euch wichtig ist, und wie euch die Schule dabei fördern kann.“ Und Ingo Stucke (SPD) meißelt seinen Appell schließlich in Worte: „Ihr habt alle Chancen, in Europa Erfahrungen zu machen. Ergreift sie!“ So klingt der positive, erklärende, aber auch fordernde Tenor beim „Europadialog“ bei allen ausgewählten Themenfeldern zwischen der Politik und der Jugend an diesem Tag.

    Wer heutzutage allerdings Jugend sagt, muss auch TikTok erwähnen – und landet dann schnell bei der AfD. Die Rechtsaußen-Partei nutzt das Schnipsel-Medium, das gerade bei Jugendlichen bedeutender Info-Kanal ist, versiert für ihre Botschaften. Dort erreicht die AfD laut ZDF mehr als dreimal so viele Nutzer wie alle anderen Parteien im Bundestag zusammen. Experten sagen, dass dies auch Grund für den enormen AfD-Zuspruch von Erstwählern (Quelle: Konrad-Adenauer-Stiftung) bei der Europawahl sei.

    So drängt sich die Frage auf, ob man die Partei nicht auch hätte einladen müssen. Michael Schüthuth überlegt kurz, berichtet von einer abgebrochenen Veranstaltung an einer anderen Schule und antwortet: „So etwas soll hier nicht passieren. Es soll um die Sache gehen und besonders um einen respektvollen Umgang miteinander. Wir haben Sorge, dass das mit der AfD nicht funktioniert.“ Mariella Gronenthal wird konkret: „ Es geht um die jungen Menschen. Viele hier haben einen Migrationshintergrund. Sie sollen einen geschützten Kommunikationsraum haben.“ Was würde passieren, wenn plötzlich jemand über Remigration spräche, wirft sie ein.

    Also keine AfD. Und kein TikTok. Nur von galliger Rhetorik unberührter Dialog. Ein Lehrstück.

    INFORMATION

    So sehen drei Schülerinnen den „Europadialog“

    Werdet Ihr wählen gehen bei der Europawahl im Juni?

    Katharina (17): „Ich will mich vorher nochmal besser über die Parteien informieren. Aber ja. Auf jeden Fall.“

    Mila (16): „Ja. Nachdem ich mehr Informationen erhalten habe.“

    Madita (17): „Auf jeden Fall. Ich weiß auch schon, welche Partei, ich sag’s aber nicht.“

    Hat Euch der „Europadialog“ konkrete Antworten geliefert?

    Katharina: „Viele. Am Ende waren für mich die Infos zum Schülerticket – auch wenn das nicht direkt etwas mit Europa zu tun hat – sehr wichtig.“

    Mila: „Coole und interessante Antworten und Hinweise – besonders zum Thema Auslandsaufenthalt.“

    Madita: „Ich hatte echt viele Fragen, und die wurden fast alle beantwortet.“

    Wie habt Ihr die Politikerinnen und Politiker im Dialog erlebt?

    Katharina: „Ich habe sie mir rationaler vorgestellt. Der Umgang war sehr natürlich und teilweise sogar lustig.“

    Mila: „Man hat gemerkt, dass sie sehr sympathisch sind und ehrliches Interesse – besonders in den Kleingruppen – zeigen.“

    Madita: „Ich hatte vorher Sorge, dass die Gespräche verkrampft werden könnten, aber sie liefen regelrecht auf Augenhöhe ab.“

    Hätte man die AfD auch einladen sollen?

    Katharina: „Als Anne-Frank-Schule kann man nicht wollen, dass eine rechtsextreme Partei hierhin kommt.“

    Mila: „Also, ich bin gegen die AfD und finde es gut, dass sie nicht dabei war. Entweder hätte sie sich besser dargestellt, als sie ist. Oder es hätte nicht diesen freundlichen, offenen Umgang miteinander gegeben.“

    Madita: „Es ist sehr schwierig, das Richtige zu machen. Ich bin nicht für die AfD, aber man hätte jemanden einladen können. Wir sollten sie vielleicht anhören, sonst sind wir nicht anders als sie.“

    Aus: https://www.nw.de/lokal/kreis_guetersloh/guetersloh/23846573_Mit-vielen-Fotos-Guetersloher-Schueler-diskutieren-mit-Politikern-ueber-die-Europawahl.html

    Riesiger InfoTruck Metall- und Elektro an der AFS

    Der InfoTruck der Metall- und Elektroindustrie stand zwei Tage an der Anne-Frank-Schule.  Ausgestattet mit faszinierender Hightech und Experimentierstationen, wurden Jugendliche und deren Eltern hier über Ausbildungs- und Berufsmöglichkeiten in der Metall- und Elektroindustrie informiert.

    Welche Berufe gibt es überhaupt in der Metall- und Elektroindustrie? Womit beschäftigt man sich genau? Wie sieht ein Arbeitsalltag aus? Welche Fähigkeiten, Interessen und Talente muss man haben? Wie sehen meine Möglichkeiten nach einer Ausbildung aus? All diese Fragen beantwortete ein erfahrenes Beraterteam im InfoTruck. Alina S. aus der 8b: „Mir hat es die Augen geöffnet, dass ich nicht nur mit Abitur in der Tasche einen guten Job erreichen kann. Dieses Wissen hat mich motiviert!“

    Aber die Jugendlichen konnten auch ganz praktisch den Berufsalltag erfahren, indem sie zum Beispiel unter Anleitung eine computergesteuerte CNC-Fräsmaschine programmierten und selbst etwas herstellten.  Aiham J. (8c) hat das Programm Spaß gemacht: „Es war richtig gut. Am besten hat mir gefallen, dass man praktische Aufgaben machen konnte, die einen auch herausgefordert haben!“
    Einen Einblick in die moderne Industrie 4.0 gab auch der Cobot, ein kollaborativ arbeitender Roboter. Fachkräfte arbeiten im Zuge der Digitalisierung in Unternehmen mit ihm im wörtlichen Sinne Hand in Hand. Gemeinsam mit dem Cobot konnten die Jugendlichen unter Zuhilfenahme einer AR-Anwendung ein Zahnradgetriebe zusammenbauen. So erlebten sie, wie Mensch und Roboter als Team funktionieren können. Ein Pneumatik-Modell, ein Stecker-Exponat und ein Elektro-Arbeitsplatz bot weitere Einblicke.

    „Es gibt viele attraktive industrielle Ausbildungsberufe und Betriebe im Kreis Gütersloh. Häufig haben Jugendliche aber keine genaue Vorstellung davon, welche Chancen dieser Berufsweg bietet. Dem wollen wir entgegenwirken“, so Burkhard Marcinkowski, Geschäftsführer der Unternehmerverbände für den Kreis Gütersloh.  Und Ida B. aus der 8d bestätigt dies: „Es gab einen klaren Einblick in die Ausbildungsmöglichkeiten im Elektro- und Metallbereich.“

    Text: KleD

    Fotos: BagC, MueG, FlöF

    Schule wehrt sich gegen Vorurteile

    Stellungnahme des Kollegiums der Anne-Frank-Schule zum Artikel „Viertklässler hängen in der Luft“ der Neuen Westfälischen vom 18.04.2024

    Die Anne-Frank-Schule, als erste Gesamtschule in Gütersloh, schaut auf eine fast 40-jährige Geschichte zurück. Damals erklärte sich die Schule bereit, den schulpolitischen Frieden in Gütersloh zu wahren und einen Beitrag für ein gedeihliches Miteinander zu leisten, und diese Verpflichtung hat die Anne-Frank-Schule zweifellos im Laufe der vielen Jahre ihrer Geschichte erfüllt.

    Die Anne-Frank-Schule leistet einen Beitrag zum gesellschaftlichen Miteinander wie kaum eine andere Schule in Gütersloh, denn Herausforderungen wie gelebte Inklusion, Integration und einen gerechten Zugang zu Bildung zu ermöglichen, gehören zu unserem Schulalltag. So haben wir viele Schüler*innen zum Abitur geführt, die in der Grundschule zunächst eine Hauptschulempfehlung erhalten haben, Kindern mit verschiedenen Förderschwerpunkten eine Chance gegeben, sich bei uns weiterzuentwickeln. Wir übernehmen gesellschaftliche Verantwortung und geben auch Kindern mit geringen Chancen einen Zugang zu Bildung. Wir unterhalten seit vielen Jahren erfolgreiche Kooperationen mit außerschulischen Partnern u.a. mit der Volkshochschule, dem Anne-Frank-Zentrum und der Firma Miele und führen mit diesen vielfältige Projekte durch, z. B. Wissenschaft trifft Schule, Sprachzertifikate, Knigge-Kurs, Gesprächskonzerte. Jahr für Jahr vermitteln wir unsere Schüler*innen erfolgreich ins Berufsleben, führen unter Beteiligung vieler ortsansässiger Firmen einen Berufsparcours und ein eigenes Berufsforum durch und haben für diese Arbeit das Siegel ‘Berufswahl- und ausbildungsfreundliche Schule’ erhalten. Wir sind MINT-freundliche Schule, Europaschule, Erasmus Plus akkreditiert und haben verschiedene internationale Partnerschaften. Wir nehmen an nationalen und internationalen Projekten und Wettbewerben teil und erhalten regelmäßig Preise für unsere Arbeit. Diese Arbeit wurde im letzten Schuljahr durch die Qualitätsanalyse (QA) evaluiert und anerkannt.

    Trotz der guten Arbeit sehen wir uns seit geraumer Zeit mit zusätzlichen Herausforderungen konfrontiert, die wir nicht mehr hinnehmen wollen. Eine dieser Herausforderungen ist die schlechte Presse, die wir bekommen, z.B. durch den von der Neuen Westfälischen veröffentlichten einseitigen und vorurteilsbehafteten Kommentar „Viertklässler hängen in der Luft“ vom 18. April 2024, in dem in der Unterzeile steht „[…] Wer aufs Gymnasium wollte, muss nun damit rechnen, sein Abitur an der Anne-Frank-Schule machen zu müssen […]“. Diese Aussage propagiert nicht nur eine Wertigkeit der Schulformen Gymnasium und Gesamtschule, sondern diskreditiert vor allem unsere Schule. Weiter wird in diesem Artikel eine Mutter zitiert, die sich fragt, warum an der AFS noch Plätze frei seien, und es wird von der Neuen Westfälischen anschließend ergänzt „Ein Grund, den niemand offen ausspricht, könnte der hohe Migrationsanteil an der Schule sein“. Was suggeriert diese Aussage? Warum kann man nicht offen über Migration und Migrationsanteil an Schulen sprechen? Es ist in der Tat ein sehr wichtiges Thema, wenn man es sachlich und ernsthaft angehen möchte. In diesem Artikel werden aber unterschwellige Bemerkungen über unsere Schule gemacht, die weder sachlich sind noch zum friedlichen Miteinander führen. Ganz im Gegenteil, sie können zu mehr Vorurteilen und Spaltung führen.

    Als Schule wünschen wir uns, dass die Redaktion der Neuen Westfälischen verantwortungsbewusst mit der Aufgabe umgeht, keine gesellschaftlichen Ängste und Sorgen zu schüren und stattdessen für eine sachkundige Berichterstattung sorgt. Zudem laden wir alle Interessierten herzlich in die AFS ein, um unsere Schule, unsere Projekte und Aktivitäten kennenzulernen und sich nicht von schnell gefassten Vorurteilen leiten zu lassen. Auch wenn es an unserer Schule nicht an Erfolgsgeschichten fehlt, machen diese leider keine schnellen Schlagzeilen.

    Die Anne-Frank-Schule ist eine interkulturelle Schule und ein Spiegel unserer Gesellschaft und als Kollegium der AFS stehen wir dazu. Die Aufgabe für eine gelungene Inklusion und Integration in der Stadt Gütersloh zu sorgen, ist aber nicht nur die Aufgabe unserer Schule, sondern die aller Bürger*innen, aller Eltern, der Stadtverwaltung und auch aller Schulen in der Stadt. Wir entscheiden heute, wie wir in der Zukunft leben wollen. Wir wünschen und setzen uns für eine demokratische, vielfältige, chancengerechte und tolerante Stadt ein.

    Gütersloh, 22. April 2024

    das Kollegium der Anne-Frank-Schule

    NW vom 18.4.2024

    Projekt Mädchen on Tour 2023-2025

     „Mich danach zu sehnen, alleine zu sein und die Ruhe zu genießen und mich danach zu sehnen, in Kontakt mit anderen zu sein und gleichzeitig Angst davor zu haben, mit Menschen zu reden.“ Sandra Krüger                                

    Seit Beginn dieses Schuljahres treffen sich 15 Schülerinnen des Jahrgangs 9 der Janusz-Korczak-Gesamtschule und der Anne-Frank-Gesamtschule wieder regelmäßig in dem Projekt Mädchen on Tour. Das Projekt bietet den Mädchen in einer geschlossenen Gruppe, Freiräume, sich auszuprobieren, neue Freizeitmöglichkeiten kennenzulernen und sich im geschützten Raum auszutauschen.

    Insbesondere nach der schweren Coronazeit, mit viel Isolierung und wenig Möglichkeiten, gemeinsam Freizeit zu verbringen, genießen die Mädchen sichtlich die Treffen, die 1x monatlich von den Übergangscoaches Frau Büttner und Frau Müller vom Fachbereich Jugend und Familie organisiert werden.

    Nach verschiedenen Freizeitangeboten ist nach den Osterferien eine Wochenendfahrt mit einem Selbstverteidigungstraining und vielen anderen Angeboten geplant. Kreative Aktivitäten, um die eigene künstlerische Seite zu entdecken, stehen ebenfalls auf dem Programm und das Wichtigste steht dabei immer im Vordergrund: Zeit miteinander verbringen, Spaß haben und unvergessliche Erinnerungen schaffen.

    Auch die berufliche Orientierung und das Thema Lebensplanung kommen nicht zu kurz. Ein Blick hinter die Kulissen vom Bielefelder Stadttheater oder dem Flughafen in Paderborn gibt Informationen zu außergewöhnlichen Berufsfeldern.

    Verantwortlich für Text und Fotos: MueG

    Demokratiefest „Generation Germany“ in Berlin – Schüler*innen der AFS on Tour

    Demokratiefestival – was soll das denn sein?

    Zugegebenermaßen war die Skepsis sehr groß, als Anfang Februar mehrere Schüler*innen der Qualifikationsphase 2 ihre Einladung zum Demokratiefestival in Berlin ihrer Jahrgangsleitung vorlegten und eine Beurlaubung beantragten. Eine kurze Recherche im Internet und ein informativer Anruf konnten alle Zweifel an dieser Veranstaltung beseitigen und es stand fest: Dies ist eine einmalige Gelegenheit für unsere Schülerinnen und Schüler, Demokratie hautnah mitzuerleben und scheinbar unnahbare Politiker*innen hautnah zu erleben. Allerdings hatten unsere Schüler*innen eine Mission: Sie sollten als Botschafter*innen der Anne-Frank-Schule viele Momente der Veranstaltung in Wort und Schrift einfangen und unser Schullogo nicht nur in ihrem Herzen, sondern auch in die Welt tragen 😉

    Anbei verschiedene Berichte der Schüler*innen …

    Amer
    Alexandra 
    Nadja
    Akadia
    Alex
    Elisabeth
    Maher
    Wisam

    Aus dem Tagesspiegel:

    „Die Vorsitzenden von SPD, CDU, Grünen und FDP diskutieren mit Jugendlichen über Gerechtigkeitsfragen. Doch es bleibt bei ausweichenden Politikerantworten.“

    „Manchmal schaffen es Kinder, Politikern Antworten zu entlocken, die selbst gestandene Journalisten nicht aus ihnen herausbekommen. Fast legendär ist das Interview mit dem damaligen CDU-Kanzlerkandidaten Armin Laschet, der sich von den elfjährigen Kinderreportern Pauline und Romeo in die Enge treiben ließ.

    Frage an FDP-Chef Christian Lindner: Sind Kinder die besseren Fragesteller? „Ja, sie haben eine natürliche Neugier und Unvoreingenommenheit. Wenn Kinder das Gefühl haben, dass von oben herab gesprochen wird und sie nicht ernst genommen werden, dann spüren sie das.“

    Lindner bahnt sich am Freitagnachmittag seinen Weg durch die Menge im Hotel Estrel in Neukölln. Auf einem Podium soll er mit der SPD-Vorsitzenden Saskia Esken und Jugendlichen aus ganz Deutschland über Gerechtigkeitsfragen diskutieren. Außerdem geladen sind die Grünen-Vorsitzende Ricarda Lang und der Abgeordnete Andreas Jung (CDU), der kurzfristig für seinen Parteichef Friedrich Merz einspringen musste.

    Bei dem dreitägigen Demokratiefestival „Generation Germany“ kommen 300 repräsentativ ausgewählte Jugendliche zwischen 16 und 24 Jahren aus ganz Deutschland zusammen, um über Gerechtigkeits-Fragen zu diskutieren. Das Projekt wird von einem Marktforschungsinstitut begleitet und die Ergebnisse in einer Studie verwertet.

    Nervosität bei Esken und Lindner

    Am Freitagnachmittag präsentieren die Jugendlichen ihre Ergebnisse aus den vorherigen Workshops, die geladenen Politiker sollen sich dazu äußern. Auf einem der Podien sitzen Lindner und Esken, beide wirken erstaunlich nervös. Vielleicht denken sie an Armin Laschet und das verpatzte Interview.

    Esken zupft an ihrem Jacket, Lindner taxiert das Publikum. „Gespannte Stille“, kommentiert er den wartenden Raum. Die Moderatoren sind noch nicht da, da kommt eine Frage aus dem Publikum. „Herr Lindner, Sie haben mal gesagt, dass Sie zu Oliver Welke in die ‘heute-show’ gehen. Wann machen Sie das?“ Lindner muss kurz überlegen. „Er hat nie wieder gefragt.“

    Dann aber geht es los, erster Diskussionspunkt: Gendergerechtigkeit. Die Jugendlichen sprechen sich dafür aus, dass die Aufteilung von Care-Arbeit eine private Entscheidung bleiben muss. Lindner wähnt sich zufrieden unter potenziellen FDP-Wählern, dann aber wird es konkret. Die Jugendlichen stellen ihre Forderungen vor: bedingungsloses Grundeinkommen, Abschaffung des Ehegattensplittings, Kindergelderhöhung. Lindner und Esken klatschen höflich. Dann sind sie dran − und geben standardmäßige Politikerantworten. Esken lobt die Jugendlichen überschwänglich. „Großartig!“ ruft sie. „Ihr habt alles bedacht.“

    Beim Thema Klimagerechtigkeit beginnen die Sticheleien gegen Lindner. „Vielleicht ist es nicht so gut, Porsche zu fahren“, sagt einer der Jugendlichen. Der Saal lacht, Lindner zeigt sich ungerührt. Später fordert einer, die Steuern für „Superreiche, die mehrere Autos besitzen“, zu erhöhen. Da kann sich auch Lindner ein Grinsen nicht mehr verkneifen, die Jugendlichen ohnehin nicht.

    Esken und Lindner berichten sodann, was ihre Parteien jeweils alles täten, um den Klimawandel zu bekämpfen: Ladesäuleninfrastruktur, Gaskraftwerke, Gähn. Für die FDP, ganz klar, muss das Stichwort Technologieoffenheit fallen. „Werdet Ingenieure!“ ruft Lindner den Jugendlichen zu.

    Enttäuschende Antworten

    Ähnlich wenig überraschende Sätze fallen ein Stockwerk höher. Hier hören sich Ricarda Lang und Andreas Jung geduldig die Ausführungen der Jugendlichen an und beantworten ihre Fragen. Beide fordern ein gut ausgebautes Nahverkehrsnetz und ernten dafür Applaus. Konfrontativ wird es auch hier nicht. Eine Schülerin fragt die Politiker, ob sie für die Einführung eines muslimischen Feiertags sind. Beide zeigen sich skeptisch „Aber mehr Sichtbarkeit, mehr Beteiligung finde ich wichtig“, sagt Lang. Jung verweist auf die Religionsfreiheit im Grundgesetz und erzählt vom Andachtsraum im Bundestag.

    Welcher Politiker hat die Jugendlichen am meisten überzeugt? „Wenn man den Politikern Fragen gestellt hat, haben sie die einfach nicht beantwortet“, beschwert sich die 19-jährige Schülerin Alara aus Bocholt. „Das hat mich genervt.“

    Ihre Freundin Layla, ebenfalls 19 und aus Duisburg, nickt. „Die wollten nur die Zustimmung von dem Publikum. Deswegen haben sie nicht richtig geantwortet“, meint sie. Fazit: Auch Jugendliche und Kinder können Profi-Politikern nicht unbedingt etwas entlocken. Aber täuschen darüber lassen auch sie sich nicht.“

    Aus: https://www.tagesspiegel.de/politik/demokratiefest-generation-germany-sind-kinder-die-besseren-fragesteller-herr-lindner-11375305.html, 15.03.2024, Titel oben verändert.

    Fotos und Videos: Schüler*innen der AFS.

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