Die neue Lernkultur an der AFS – Eindrücke der Schülerin Anna Kötter (Q1)

Das Schuljahr 2019/20 brachte einen neuen Schulleiter und mit ihm eine neue Lernkultur, durch die der Unterricht sich stärker der heutigen Schülerschaft anpassen, zu mehr Selbstständigkeit führen und das individuelle Lernen fördern soll.

Es ist acht Uhr an einem Freitagmorgen. Schülerinnen und Schüler des 5. Jahrgangs schieben die Tische zur Seite und bauen einen Stuhlkreis. Das aufgeregte Gebrabbel und Kindergelächter verstummt erst, nachdem auch der Lehrer seinen Platz eingenommen hat und erwartungsvoll in die Runde schaut.

Der gemeinsame Anfang kann beginnen. Es wird Organisatorisches besprochen, es werden Ziele gesetzt, aber auch Spiele gespielt. Auch wird gemeinsam getanzt oder gesungen. Und manchmal erzählen die Kinder einfach nur, was ihnen gerade wichtig ist.

Heute steht wie jeden Freitag die Vergebung des „Lobs der Woche“ auf dem Tagesplan. Dafür sagen die Kinder zuerst, wen sie diese Woche für eine bestimmte gute Tat loben wollen, und anschließend wird abgestimmt, wer den Titel für die Woche verdient hat. Danach werden noch einige organisatorische Aspekte angesprochen und schon ist die halbe Stunde vergangen.

Der gemütliche Stuhlkreis wird in ein Lernbüro mit Einzeltischen verwandelt Kinder nehmen ihre Taschen und ihr Namensschild und gehen zu dem Lernbüro, in dem sie heute arbeiten wollen oder bleiben einfach in dem gerade eingerichteten Raum. Damit alles übersichtlich bleibt, nehmen sie ihr Namensschild, um es dann an eine kleine Tafel zu hängen, die anzeigt, wer wo sitzt.

Die SchülerInnen können sich zwischen den Lernbüros der Fächer Deutsch, Englisch und Mathe entscheiden. In dem jeweiligen Raum werden sie von FachlehrerInnen erwartet, die sie bei ihren Aufgaben unterstützen. Diese können in drei verschiedenen Schwierigkeitsstufen bearbeitet werden, die sie nach einer Beratung durch die Lehrkraft festlegen.

Anschließend arbeiten sie komplett selbstständig. Lernpfade geben vor, wie viel und was sie schaffen müssen, und als Hilfsmittel dienen neben Büchern, Heften und Arbeitsblättern auch Tablets mit Lernvideos oder Ähnlichem. So mischt sich das altmodische analoge Lernen mit dem modernen digitalen, was dazu führt, dass die manchmal eintönig erscheinende Einzelarbeit auch abwechslungsreich gestaltet werden kann. Natürlich ist die Freude immer groß, wenn Aufgaben auf dem Tablet bearbeitet werden dürfen.

Sobald die Schülerinnen und Schüler mit den Aufgaben zu einem Unterrichtsvorhaben fertig sind und sich sicher fühlen, dass sie die dazu gehörigen Kompetenzen beherrschen, entscheiden sie in Absprache mit der betreuenden Lehrerin oder dem betreuenden Lehrer, wann sie die dazugehörige Arbeit schreiben möchten.

Diese wird ganz normal im Lernbüro geschrieben, und zwar zu unterschiedlichen Zeitpunkten, und dennoch ist das Risiko des Schummelns nicht erhöht. Wenn man mit den Kindern über ihre Einstellung zu den Leistungsüberprüfungen spricht, ist schnell erkennbar, dass die meisten sich für ihre eigenständige Arbeit auch eine individuelle Rückmeldung wünschen und nicht die Aufgaben der anderen übernehmen wollen. Außerdem werden die geschriebenen Arbeiten nicht wieder herausgegeben, sondern nur mit dem jeweiligen Kind besprochen.

In den 60-minütigen Arbeitsphasen herrscht zumeist eine ruhige und konzentrierte Atmosphäre. Diese hebt sich deutlich von normalen Unterrichtsstunden ab. Jedoch wird diese Ruhe nicht erzwungen sondern entsteht ganz natürlich, da die SchülerInnen lernen, eigene Verantwortung bezüglich ihres Arbeitsverhaltens zu übernehmen, sodass sie auch im Vergleich zum traditionellen Unterricht ein anderes Bewusstsein für ihr Lernverhalten und den Lernstoff entwickeln.

Natürlich ist der Unterricht, wie wir ihn sonst kennen, durch die neue Lernkultur nicht abgeschafft, denn Lernbüros gibt es nur in den drei Hauptfächern und auch in diesen findet der Unterricht einmal wöchentlich gemeinsam statt.

Kurz vor Ende der Lernbürozeit tritt dann doch wieder das typische Schülersyndrom auf. Die Kinder werden deutlich unruhiger und freuen sich auf ihre verdiente Pause. Bevor sie jedoch in die Pause gehen dürfen, müssen sie noch in ihren Lernbegleiter eintragen, was sie in der Stunde geschafft haben, um anschließend ihre Sachen in ihren Klassenraum zurückzubringen.

Die Veränderung der Lernkultur ist eine große Umstellung und stößt somit auch auf viele Skeptiker. Auch ich war mir am Anfang nicht sicher, was ich davon halten soll, was sich allerdings geändert hat, als ich eines Morgens hospitieren durfte. Viele meiner Zweifel wurden dadurch aufgehoben.

Das wichtigste Argument, das aus meiner Sicht für die Umstellung spricht, ist die Tatsache, dass die SchülerInnen auf verschiedenen Schwierigkeitsstufen arbeiten können. So werden die verschiedenen Stärken und Schwächen beachtet und es kann individuell auf die einzelnen eingegangen werden. Da jeder nach seinem eigenen Tempo und auf seinem eigenen Lernniveau arbeiten kann, entsteht keine Langeweile und der Druck bei Leistungsschwächeren sinkt.

Genau dies, nämlich dass wir immer alle das Gleiche machen mussten, hat mich in meinem Unterricht immer am meisten genervt und nervt mich immer noch. Daher freue ich mich darüber, dass das jetzt geändert wird.

Des Weiteren begeistert mich, wie selbstständig die „Fünfer“ lernen und vor allem lernen dürfen. Gestört hat mich vor allem in der Sekundarstufe I immer, dass wir von LehrerInnen gelenkt wurden und wenig bis keine eigenen Entscheidungen treffen konnten.

Aus all diesen Gründen hat mich das neue System weitgehend überzeugt. Für alle Skeptiker, aber auch für alle anderen besteht die Möglichkeit zu hospitieren, um den neuen Unterricht kennenzulernen. Und das sollte man unbedingt tun, bevor man ein abschließendes eigenes Urteil fällt, um vorschnelle, fälschliche Aussagen zu vermeiden.

Für die Zukunft ist geplant, dass das Konzept in der kompletten Sekundarstufe I fortgeführt werden soll. Es soll dann jahrgangsübergreifende Lernbüros geben, sodass die SchülerInnen sich gegenseitig helfen können, was wiederum förderlich für das gemeinsame Lernen ist.

Foto: Fabian Flöper

Die neue „VIRUS“ ist da!

Am Montag, dem 16.12. 2019, erscheint die neue Ausgabe der Schülerzeitung „Virus“. Diese Zeitung ist eine Extraausgabe zu dem Thema „Europäische Werte“. Da die Ausgabe neben den Texten auch einige selbstgestaltete Illustrationen enthält, wird sie komplett in Farbe gedruckt, weshalb unsere „Virus“ ausnahmsweise einen Euro statt 50 Cent kostet.

Sie wird ab dem 16.12. in allen Pausen im Foyer der Schule verkauft.

Inhalt

Vorwort

Europäische Werte

Zusammenhalt für Demokratie, Freiheit und Menschenrechte

Gefangen in Algorithmen

Asyl – ein wichtiges Menschenrecht

Frieden, Freiheit und Demokratie – nicht für alle eine Selbstverständlichkeit

Homosexualität – Akzeptanz oder Intoleranz?

Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit

Schulintern

Lehrerumfrage

Praktikum im Ausland

Klimaschutz

Das Sorgenkind Klimaschutz   

Klimaschutz ist nicht nur Aufgabe der Politiker

Recyceln statt Wegwerfen

Schale statt Plastik

Kreuzworträtsel

Impressum

Praktikum im Ausland

Vielen ist sicher bekannt, dass die SchülerInnen unserer Schule im Jahrgang 9 ein dreiwöchiges Praktikum absolvieren, manche von euch wissen aber vielleicht nicht, dass ein weiteres Praktikum  für die ZwölftklässlerInnen Pflicht ist. Dieses liegt meistens eine Woche vor den Herbstferien, sodass die Möglichkeit besteht, den Aufenthalt in die Ferienzeit hinein zu verlängern.

Das Praktikum allein ist für die meisten schon eine aufregende Erfahrung, da sie in eine neue Umgebung kommen, mit völlig neuen Leuten zusammenarbeiten und eine neue Situation kennenlernen. Wenn jedoch noch dazu kommt, dass das gewohnte Zuhause Kilometer weit entfernt liegt und man in ein anderes europäisches Land reist, wird aus einem gewöhnlichen Schulbetriebspraktikum ein kleines Abenteuer.

In solch ein kleines Abenteuer haben sich vier SchülerInnen des diesjährigen zwölften Jahrgangs gestürzt, zu denen auch ich gehörte. Zwei von uns erhielten hierbei die Unterstützung durch die Osthushenrich-Stiftung, die die Fahrtkosten bezahlt hat.

In dem folgenden Interview möchten wir euch unseren ganz Individuellen Erlebnissen und Eindrücke nahebringen.

Wo bist du gewesen und in welchem Bereich hast du dein Praktikum absolviert?

Celine: Ich war in Preston, das ist in England, und zwar bei der Firma Direct Heating Spares, einer Firma für Ersatzteile, zum Beispiel von Heizkesseln oder Duschen. Tätig war ich in verschiedenen Bereichen, wie zum Beispiel in der IT, im Call Centre, im Wareneingang, im Lager usw.

Finn: Ich war in „Graudenz”, der polnischen Partnerstadt Güterslohs und habe dort als Lehrer an unserer Partnerschule gearbeitet, die ich schon durch den Schüleraustausch kannte.

Finn auf der Heide als „Lehrer“ in Polen.

Lisa: Ich war zusammen mit Anna in Dänemark. Dort haben wir auf einem kleinen Reiterhof gearbeitet.

Anna: Der Ort, an dem wir waren, hieß Hvide Sande und wir haben in den Bereichen Pferdewirtschaft und Touristik gearbeitet. Den Hof kenne ich schon sehr lange und bin auch schon oft da gewesen.

Welche Aufgaben hast du übernommen?

Celine: Bei den Bürotätigkeiten durfte ich nur zuschauen beziehungsweise bei den Anrufen zuhören und im Lager durfte ich dann alles Mögliche machen, wie zum Beispiel den Wareneingang kontrollieren, also zuschauen, ob alles da ist, die Papiere für den weiteren Verlauf drucken oder die Produkte etikettieren. Außerdem musste ich auch durch das gesamte Lager laufen und Produkte „einsammeln”. Das sind allerdings nur einige der vielen Aufgaben, die ich hatte.

Finn: Ich habe den Lehrern dabei geholfen, ihren Unterricht zu gestalten, mit den SchülerInnen Deutsch geredet, aber auch eigene Deutschstunde gestaltet, zum Beispiel durch Vorträge über meinen Aufenthalt in Argentinien.

Lisa und Anna: Wir haben uns um das Füttern der Pferde und der restlichen Tiere gekümmert, haben sauber gemacht, Reitstunden gegeben und sind bei Strandausflügen vorgeritten.

Freiheit, Demokratie und Menschenrechte – Inwieweit werden diese Werte in dem Land umgesetzt, in dem du warst?

Celine: Ich kann natürlich nicht für das ganze Land sprechen, aber in dem Betrieb, in dem ich war, wurden alle gleich behandelt, egal, ob jemand im Büro oder im Lager arbeitet. Jeder hat jeden akzeptiert und auch der Chef hat sich nicht so aufgeführt, wie man es sich manchmal vorstellt. Alle konnten sagen, wenn sie ein Problem hatten, solange es sich um berufliche Belange handelte. Und in England selbst habe ich mich sehr frei gefühlt.

Finn: Soweit ich es mitbekommen habe, wurden diese Werte gut umgesetzt, aber man müsste sich länger in Polen aufhalten, um eine vollständige Antwort auf die Frage geben zu können. Aufgefallen ist mir aber, wie gastfreundlich die Polen sind, was dazu geführt hat, dass ich mich nie fremd oder als nicht willkommen gefühlt habe. Alles schien mir von der ersten Sekunde an sehr vertraut.

Lisa: Ich war zum ersten Mal in Dänemark und da wir sehr lange Arbeitszeiten hatten, war ich fast immer auf dem Hof und hatte nur wenig Zeit, das Land kennenzulernen.

Anna: Da ich schon häufiger in Dänemark war, habe ich das Land etwas besser kennengelernt. Ich würde sagen, dass die Werte gut umgesetzt werden. Vor allem die Freiheit ist in Dänemark sehr wichtig. Zwar ist es schwer zu beschreiben, wie sie direkt umgesetzt wird, aber jedes Mal, wenn ich nach Dänemark komme, habe ich ebenfalls dieses Gefühl von Freiheit, von dem mein Chef auch schon oft gesprochen hat. Auffällig ist auch, dass die Dänen ausgesprochen tolerant sind.

Die große Bedeutung der Freiheit ist wahrscheinlich auch der Grund, für einen weiteren Wert, der außerhalb Skandinaviens noch wenig bekannt ist. Er wird als “hygge” bezeichnet und lässt sich schwer übersetzen, beschreibt jedoch treffend das Land, die Menschen und deren Lebensweise. Die deutsche Übersetzung des entsprechenden Adjektivs ist vielleicht  “gut”, “gemütlich” oder “nett”. Jedoch wird diese Übersetzung dem Begriff nicht gerecht, da sich eigentlich viel mehr hinter ihm verbirgt, was sich jedoch nicht erklären, sondern nur selbst erleben lässt. Fakt ist, man fühlt sich in diesem Land einfach nur wohl.

Hast du landesspezifische Rituale oder Traditionen kennengelernt?

Celine: Ich habe schon des Öfteren gehört, dass die Engländer viel Tee trinken würden und das kann ich definitiv unterschreiben. Die Mitarbeiter trinken den ganzen Tag Tee und Kaffee und ich glaube, ich habe in der Woche mehr Tee getrunken als in meinem ganzen Leben.

Finn: Ich hatte leider keine Möglichkeit, an Traditionen, die ausschließlich in Polen praktiziert werden, teilzunehmen. Ich habe aber gehört, dass religiöse Feste von großer Bedeutung sind. Besonders Weihnachten wird in dem katholisch geprägten Polen sehr aufwändig gefeiert. An Heiligabend werden zwölf Gerichte serviert, allerdings aus einer alten Tradition heraus alle ohne Fleisch.

Lisa: An den Wochenenden gab es mittags immer selbstgebrannten Schnaps und es war sehr familiär, da alle Mahlzeiten immer zusammen mit allen menschlichen Bewohnern des Hofes eingenommen wurden.

Können wir Deutschen von den Menschen in deinem Gastgeberland etwas lernen?

Celine: Definitiv. Ich konnte nicht glauben, wie offen die Menschen in meinem Betrieb nach nur wenigen Sekunden waren. Außerdem hatte ich überhaupt keine Probleme, lustige Gespräche führen, was mir normalerweise sehr schwer fällt. Ich habe dort auch Leute kennengelernt, mit denen ich noch in Kontakt stehe. Da ich mein dreiwöchiges Praktikum in der neunten Klasse auch im Büro und Lager absolviert habe und es deswegen vergleichen kann, weiß ich, dass die Kontaktaufnahme in Deutschland viel einfacher ist.

Anna: Die Dänen sind immer sehr offen und sehr entspannt. Außerdem hatte man mit ihnen immer etwas zu lachen, trotz mancher Verständigungsprobleme. Davon könnten wir Deutschen uns ruhig etwas abschauen.

Text: Anna Kötter, Q1

Fotos von Finn auf der Heide und Anna Kötter

Auswertung: Lehrerumfrage zum Thema „Europäische Werte“

Traditionell beziehen wir in jede Ausgabe der Virus auch unsere Lehrerinnen und Lehrer mit ein, z.B. durch ein Lehrerinterview. Für unsere Sonderausgabe haben wir uns jedoch etwas Besonderes ausgedacht, und zwar wollten wir die Meinung möglichst vieler unserer Lehrerinnen und Lehrer einholen und haben daher eine Umfrage zum Thema „Europäische Werte“ erstellt, deren Ergebnisse ihr in diesem Artikel lesen könnt.Untere Reihe von links nach rechts: Gülsen Şen (Türkei), Donjeta Fetahaj (Kosovo), Carla Weitkamp (Portugal). Obere Reihe von links nach rechts: Stefania Salamon (Italien), Anastasia Peters (Russland), Erhan Toksözlü (Türkei), Sebastian Schmeding (Deutschland), Michael Jendrzey (Polen). Foto: FlöF

Dies war besonders deshalb interessant, weil wir nicht nur im Hinblick auf unsere Schülerschaft eine „Multikulti-Schule“ sind, sondern auch viele unserer Lehrerinnen/Lehrer internationale Wurzeln haben; einige von ihnen haben sich bereit erklärt, für unser Foto (s.u.) zur Verfügung zu stellen.

Die Redaktion freut sich darüber, dass wir sehr viele, nämlich über 60 Fragebögen zurückbekommen haben und bedankt sich noch einmal bei allen Teilnehmenden.

Unsere erste Frage lautete, ob unseren Lehrerinnen/Lehrern die Europäische Union wichtig sei, was einstimmig mit „ja“ beantwortet wurde.

Außerdem wollten wir von ihnen wissen, welche Werte sie mit der EU verbinden. Dabei sind 55 verschiedene Werte genannt worden, die wir hier natürlich nicht alle nennen können. Am häufigsten jedoch wurden die Werte Freiheit, Frieden, Toleranz, Demokratie und Vielfältigkeit aufgezählt, dicht gefolgt von den Begriffen Zusammenarbeit/-halt, Gemeinschaft, Menschenrechte und -würde, Sicherheit, Solidarität, Offenheit und Respekt.

Eng verbunden mit dieser Frage war die nächste, in der es darum ging, welche dieser Werte unseren Lehrerinnen/Lehrern am wichtigsten sind. Am häufigsten wurde die Freiheit genannt und mit einer Stimme weniger folgten Demokratie und Frieden sowie kurz dahinter die Toleranz.

Auf die folgende Frage, ob die notierten  Werte an der AFS vermittelt werden, antwortete eine große Mehrheit mit „ja“, aber ungefähr 13 Prozent haben „nein“ angekreuzt und für ca. 10 Prozent der
Lehrerinnen/Lehrer werden sie nur teilweise übermittelt.

Bei der nächsten Frage ging es darum, für welche der aufgezählten Werte sich Deutschland während seiner EU-Ratspräsidentschaft einsetzen sollte. Diesmal stand Demokratie an erster Stelle, dicht gefolgt von Frieden, Zusammenhalt bzw. Gemeinschaft, Toleranz, Vielfalt und Menschenrechte.

Auf die anschließende Frage, was unsere Lehrerinnen/Lehrer vermissen würden, wenn Deutschland nicht mehr in der EU wäre, wurde, wie fast zu erwarten war, am häufigsten die Offenheit der Grenzen und somit die Reisefreiheit angesprochen. Auch würden viele den Euro vermissen sowie die Tatsache, dass wir nicht mehr Teil eines großen Ganzen wären und somit der Austausch und die Gemeinschaft verloren gingen.

Abschließend war es uns noch wichtig zu wissen, ob die Befragten uns sonst noch etwas zu dem Thema mitteilen wollten. Häufig wurde genannt, dass die EU mehr Verantwortung in den Bereichen Flüchtlingspolitik und Umweltschutz übernehmen sollte, und es wurde gefordert, dass Deutschland sich dafür auch deutlich einsetzen sollte. Außerdem gab es den Wunsch nach einer Ausweitung der Möglichkeiten einer Kontaktaufnahme zwischen Jugendlichen in Europa, z.B. durch Schulpartnerschaften, was damit begründet wurde, dass diese zum Wachstum der europäischen Identität beitragen würden.

Auch wurde gesagt, die EU müsse von allen gelebt werden, um sie zu erhalten und Problemen, die nur gemeinschaftlich lösbar seien, entgegentreten zu können. Eine weitere Forderung war, sich verstärkt gegen nationale Züge in der Politik einzusetzen und sich dabei nicht nur auf Europa zu beschränken, sondern die gesamte Welt im Blick zu haben.

Da alle die Freiheit hatten, ihre eigene Meinung zum Thema kundzutun, waren die Antworten so vielfältig, dass wir sie nicht alle nennen können. Auffällig war aber die häufige Nennung zentraler Werte wie z.B. Demokratie, Frieden, Gemeinschaft, Freiheit und Toleranz, was zeigt, dass viele mit dem Begriff Europa die gleichen Werte in Verbindung bringen.

Abschließend möchte ich noch einen Satz zitieren, der Europas Eigenschaften besonders gut beschreibt: „Heimat sollte nicht als Land, sondern als Gefühl identifiziert werden“.

Anna Kötter, Q1

Der Klimawandel schert sich nicht um Landesgrenzen und wir tun es auch nicht

Die Bewegung „Fridays for Future“ existiert nun schon seit gut einem Jahr und am 21. Juni hat nun die erste offizielle internationale Demonstration in Aachen stattgefunden. Unter den 35.000 bis 40.000 Demonstranten waren auch Schülerinnen und Schüler unserer Schule vertreten.

Den Feiertag am Donnerstag nutzten wir, um die Reise nach Aachen anzutreten; die Demonstration selbst fand wie immer am Freitag statt.  Es gab insgesamt fünf verschiedene Treffpunkte, von denen aus gestartet wurde; für uns begann die Demo am Hauptbahnhof.  

Die Organisatoren hatten mit 10000 Teilnehmern gerechnet und die Polizei hatte sich auf 20.000 Demonstranten vorbereitet.  Diese Zahlen wurden bei weitem übertroffen, denn alleine am Bahnhof fanden sich geschätzt 24.000 Menschen zusammen.

Nach einer kleinen Verspätung, setzte sich der Demonstrationszug in Richtung Innenstadt in Bewegung. Das eigentliche Ziel war das Stadion „Tivoli“. Zweieinhalb Stunden marschierten wir  durch die Innenstadt, vorbei am Haus der Kohle und am Aachener Dom. Dabei wurden bekannte Slogans in verschiedenen Sprachen gerufen, wie beispielsweise „Wer nicht hüpft, der ist für Kohle“ und „ What do we want? – Climate-Justice! – When do we want it? – Now!“.

Die Slogans und das gute Wetter sorgten bis zum Ende für eine gute Stimmung, obwohl durch das langsame Fortbewegen vielen von uns so langsam die Füße schmerzten.  Daher waren wir froh, als wir schließlich am Tivoli-Stadion ankamen, wo es bis 18 Uhr ein Musik-und Vortragsprogramm gab.

Die Polizei war während der gesamten Veranstaltung präsent und der Protest verlief friedlich.

Nun besteht die Hoffnung, dass die Forderung  von uns und den anderen Fridays for Future Anhängern, die aus 15 weiteren Ländern angereist waren, genug Aufsehen erregt hat, damit sich die Politik mehr für den Klimaschutz einsetzt.

Henrike Kuckelt, Anna Kötter, Thore Brandau und Linus Martinschledde (EF)

Erfolgreiche Teilnahme am Europäischen Wettbewerb

Unter dem Titel „YOUrope – es geht um dich!“ fand in diesem Jahr der 66. Europäische Wettbewerb statt, an dem sich Schülerinnen und Schüler aus den Jahrgängen 6, 7, 8, 9 und 11 mit vielfältigen Beiträgen beteiligten.

Besonders erfolgreich waren einige Schülerinnen aus dem achten Jahrgang, die jeweils einen Landespreis erhielten.

Joy Louice Köntges belegte in der Kategorie Einzelarbeit mit ihrem Bild „Tränen und Schweiß“ den dritten Platz in der Einzelwertung zum Thema „Influencer“. Zum gleichen Thema gestalteten Paige Campbell, Katharina Horsthemke und Juliet Schrull eine Collage zum Thema „Real Life – Insta Leben“, wofür sie ebenfalls den dritten Platz belegten, und zwar in der Kategorie „Gruppenarbeit“.

Den stolzen Gewinnerinnen wurden die Preise am 28. Juni von Christian Schneider, dem Landesbeauftragten des Europäischen Wettbewerbs für NRW, in der Geschwister-Scholl-Realschule verliehen, zu der alle Preisträgerinnen und Preisträgern aus Ostwestfalen eingeladen waren. Im Rahmen einer Feierstunde wurden nicht nur die Preise überreicht, sondern es wurden auch alle Gewinnerbeiträge präsentiert.

Ein herzlicher Glückwunsch an die vier Preisträgerinnen.

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