Das Schuljahr 2019/20 brachte einen neuen
Schulleiter und mit ihm eine neue Lernkultur, durch die der Unterricht sich
stärker der heutigen Schülerschaft anpassen, zu mehr Selbstständigkeit führen
und das individuelle Lernen fördern soll.
Es ist acht Uhr an einem Freitagmorgen.
Schülerinnen und Schüler des 5. Jahrgangs schieben die Tische zur Seite und
bauen einen Stuhlkreis. Das aufgeregte Gebrabbel und Kindergelächter verstummt erst,
nachdem auch der Lehrer seinen Platz eingenommen hat und erwartungsvoll in die
Runde schaut.
Der gemeinsame Anfang kann beginnen. Es
wird Organisatorisches besprochen, es werden Ziele gesetzt, aber auch Spiele
gespielt. Auch wird gemeinsam getanzt oder gesungen. Und manchmal erzählen die
Kinder einfach nur, was ihnen gerade wichtig ist.
Heute steht wie jeden Freitag die
Vergebung des „Lobs der Woche“ auf dem Tagesplan. Dafür sagen die Kinder
zuerst, wen sie diese Woche für eine bestimmte gute Tat loben wollen, und
anschließend wird abgestimmt, wer den Titel für die Woche verdient hat. Danach
werden noch einige organisatorische Aspekte angesprochen und schon ist die
halbe Stunde vergangen.
Der gemütliche Stuhlkreis wird in ein
Lernbüro mit Einzeltischen verwandelt Kinder nehmen ihre Taschen und ihr
Namensschild und gehen zu dem Lernbüro, in dem sie heute arbeiten wollen oder
bleiben einfach in dem gerade eingerichteten Raum. Damit alles übersichtlich
bleibt, nehmen sie ihr Namensschild, um es dann an eine kleine Tafel zu hängen,
die anzeigt, wer wo sitzt.
Die SchülerInnen können sich zwischen den
Lernbüros der Fächer Deutsch, Englisch und Mathe entscheiden. In dem jeweiligen
Raum werden sie von FachlehrerInnen erwartet, die sie bei ihren Aufgaben unterstützen.
Diese können in drei verschiedenen Schwierigkeitsstufen bearbeitet werden, die sie
nach einer Beratung durch die Lehrkraft festlegen.
Anschließend arbeiten sie komplett
selbstständig. Lernpfade geben vor, wie viel und was sie schaffen müssen, und
als Hilfsmittel dienen neben Büchern, Heften und Arbeitsblättern auch Tablets
mit Lernvideos oder Ähnlichem. So mischt sich das altmodische analoge Lernen
mit dem modernen digitalen, was dazu führt, dass die manchmal eintönig
erscheinende Einzelarbeit auch abwechslungsreich gestaltet werden kann.
Natürlich ist die Freude immer groß, wenn Aufgaben auf dem Tablet bearbeitet
werden dürfen.
Sobald die Schülerinnen und Schüler mit
den Aufgaben zu einem Unterrichtsvorhaben fertig sind und sich sicher fühlen,
dass sie die dazu gehörigen Kompetenzen beherrschen, entscheiden sie in
Absprache mit der betreuenden Lehrerin oder dem betreuenden Lehrer, wann sie
die dazugehörige Arbeit schreiben möchten.
Diese wird ganz normal im Lernbüro
geschrieben, und zwar zu unterschiedlichen Zeitpunkten, und dennoch ist das
Risiko des Schummelns nicht erhöht. Wenn man mit den Kindern über ihre Einstellung
zu den Leistungsüberprüfungen spricht, ist schnell erkennbar, dass die meisten sich
für ihre eigenständige Arbeit auch eine individuelle Rückmeldung wünschen und
nicht die Aufgaben der anderen übernehmen wollen. Außerdem werden die
geschriebenen Arbeiten nicht wieder herausgegeben, sondern nur mit dem
jeweiligen Kind besprochen.
In den 60-minütigen Arbeitsphasen
herrscht zumeist eine ruhige und konzentrierte Atmosphäre. Diese hebt sich
deutlich von normalen Unterrichtsstunden ab. Jedoch wird diese Ruhe nicht
erzwungen sondern entsteht ganz natürlich, da die SchülerInnen lernen, eigene
Verantwortung bezüglich ihres Arbeitsverhaltens zu übernehmen, sodass sie auch im
Vergleich zum traditionellen Unterricht ein anderes Bewusstsein für ihr Lernverhalten
und den Lernstoff entwickeln.
Natürlich ist der Unterricht, wie wir ihn
sonst kennen, durch die neue Lernkultur nicht abgeschafft, denn Lernbüros gibt
es nur in den drei Hauptfächern und auch in diesen findet der Unterricht einmal
wöchentlich gemeinsam statt.
Kurz vor Ende der Lernbürozeit tritt dann
doch wieder das typische Schülersyndrom auf. Die Kinder werden deutlich
unruhiger und freuen sich auf ihre verdiente Pause. Bevor sie jedoch in die
Pause gehen dürfen, müssen sie noch in ihren Lernbegleiter eintragen, was sie
in der Stunde geschafft haben, um anschließend ihre Sachen in ihren Klassenraum
zurückzubringen.
Die Veränderung der Lernkultur ist eine
große Umstellung und stößt somit auch auf viele Skeptiker. Auch ich war mir am
Anfang nicht sicher, was ich davon halten soll, was sich allerdings geändert
hat, als ich eines Morgens hospitieren durfte. Viele meiner Zweifel wurden dadurch aufgehoben.
Das wichtigste Argument, das aus meiner Sicht für die Umstellung
spricht, ist die Tatsache, dass die SchülerInnen auf verschiedenen Schwierigkeitsstufen
arbeiten können. So werden die verschiedenen Stärken und Schwächen
beachtet und es kann individuell auf die einzelnen eingegangen werden. Da jeder
nach seinem eigenen Tempo und auf seinem eigenen Lernniveau arbeiten kann,
entsteht keine Langeweile und der Druck bei Leistungsschwächeren sinkt.
Genau dies, nämlich dass wir immer alle
das Gleiche machen mussten, hat mich in meinem Unterricht immer am meisten
genervt und nervt mich immer noch. Daher freue ich mich darüber, dass das jetzt
geändert wird.
Des Weiteren begeistert mich, wie
selbstständig die „Fünfer“ lernen und vor allem lernen dürfen. Gestört hat mich
vor allem in der Sekundarstufe I immer, dass wir von LehrerInnen gelenkt wurden
und wenig bis keine eigenen Entscheidungen treffen konnten.
Aus all diesen Gründen hat mich das neue
System weitgehend überzeugt. Für alle Skeptiker, aber auch für alle anderen
besteht die Möglichkeit zu hospitieren, um den neuen Unterricht kennenzulernen.
Und das sollte man unbedingt tun, bevor man ein abschließendes eigenes Urteil fällt,
um vorschnelle, fälschliche Aussagen zu vermeiden.
Für die Zukunft ist geplant, dass das Konzept in der kompletten Sekundarstufe I fortgeführt werden soll. Es soll dann jahrgangsübergreifende Lernbüros geben, sodass die SchülerInnen sich gegenseitig helfen können, was wiederum förderlich für das gemeinsame Lernen ist.
Am Montag, dem 16.12. 2019, erscheint die neue Ausgabe der
Schülerzeitung „Virus“. Diese Zeitung ist eine Extraausgabe zu dem Thema
„Europäische Werte“. Da die Ausgabe neben den Texten auch einige
selbstgestaltete Illustrationen enthält, wird sie komplett in Farbe gedruckt,
weshalb unsere „Virus“ ausnahmsweise einen Euro statt 50 Cent kostet.
Sie wird ab dem 16.12. in allen Pausen im Foyer der Schule verkauft.
Inhalt
Vorwort
Europäische Werte
Zusammenhalt
für Demokratie, Freiheit und Menschenrechte
Gefangen in
Algorithmen
Asyl – ein
wichtiges Menschenrecht
Frieden,
Freiheit und Demokratie – nicht für alle eine Selbstverständlichkeit
Vielen
ist sicher bekannt, dass die SchülerInnen unserer Schule im Jahrgang 9 ein
dreiwöchiges Praktikum absolvieren, manche von euch wissen aber vielleicht
nicht, dass ein weiteres Praktikum für
die ZwölftklässlerInnen Pflicht ist. Dieses liegt meistens eine Woche vor den
Herbstferien, sodass die Möglichkeit besteht, den Aufenthalt in die Ferienzeit
hinein zu verlängern.
Das
Praktikum allein ist für die meisten schon eine aufregende Erfahrung, da sie in
eine neue Umgebung kommen, mit völlig neuen Leuten zusammenarbeiten und eine
neue Situation kennenlernen. Wenn jedoch noch dazu kommt, dass das gewohnte Zuhause
Kilometer weit entfernt liegt und man in ein anderes europäisches Land reist, wird
aus einem gewöhnlichen Schulbetriebspraktikum ein kleines Abenteuer.
In
solch ein kleines Abenteuer haben sich vier SchülerInnen des diesjährigen
zwölften Jahrgangs gestürzt, zu denen auch ich gehörte. Zwei von uns erhielten
hierbei die Unterstützung durch die Osthushenrich-Stiftung, die die Fahrtkosten
bezahlt hat.
In
dem folgenden Interview möchten wir euch unseren ganz Individuellen Erlebnissen
und Eindrücke nahebringen.
Wo
bist du gewesen und in welchem Bereich hast du dein Praktikum absolviert?
Celine: Ich war in Preston, das
ist in England, und zwar bei der Firma Direct Heating Spares, einer Firma für
Ersatzteile, zum Beispiel von Heizkesseln oder Duschen. Tätig war ich in
verschiedenen Bereichen, wie zum Beispiel in der IT, im Call Centre, im
Wareneingang, im Lager usw.
Finn: Ich war in „Graudenz”, der polnischen Partnerstadt Güterslohs und habe dort als Lehrer an unserer Partnerschule gearbeitet, die ich schon durch den Schüleraustausch kannte.
Finn auf der Heide als „Lehrer“ in Polen.
Lisa: Ich war zusammen mit Anna in
Dänemark. Dort haben wir auf einem kleinen Reiterhof gearbeitet.
Anna: Der Ort, an dem wir waren, hieß
Hvide Sande und wir haben in den Bereichen Pferdewirtschaft und Touristik
gearbeitet. Den Hof kenne ich schon sehr lange und bin auch schon oft da
gewesen.
Welche
Aufgaben hast du übernommen?
Celine: Bei den Bürotätigkeiten
durfte ich nur zuschauen beziehungsweise bei den Anrufen zuhören und im Lager
durfte ich dann alles Mögliche machen, wie zum Beispiel den Wareneingang
kontrollieren, also zuschauen, ob alles da ist, die Papiere für den weiteren Verlauf
drucken oder die Produkte etikettieren. Außerdem musste ich auch durch das gesamte
Lager laufen und Produkte „einsammeln”. Das sind allerdings nur einige der
vielen Aufgaben, die ich hatte.
Finn: Ich habe den Lehrern dabei
geholfen, ihren Unterricht zu gestalten, mit den SchülerInnen Deutsch geredet,
aber auch eigene Deutschstunde gestaltet, zum Beispiel durch Vorträge über
meinen Aufenthalt in Argentinien.
Lisa und Anna: Wir haben uns um
das Füttern der Pferde und der restlichen Tiere gekümmert, haben sauber gemacht,
Reitstunden gegeben und sind bei Strandausflügen vorgeritten.
Freiheit,
Demokratie und Menschenrechte – Inwieweit werden diese Werte in dem Land
umgesetzt, in dem du warst?
Celine: Ich kann natürlich nicht
für das ganze Land sprechen, aber in dem Betrieb, in dem ich war, wurden alle
gleich behandelt, egal, ob jemand im Büro oder im Lager arbeitet. Jeder hat
jeden akzeptiert und auch der Chef hat sich nicht so aufgeführt, wie man es
sich manchmal vorstellt. Alle konnten sagen, wenn sie ein Problem hatten,
solange es sich um berufliche Belange handelte. Und in England selbst habe ich
mich sehr frei gefühlt.
Finn: Soweit ich es mitbekommen
habe, wurden diese Werte gut umgesetzt, aber man müsste sich länger in Polen
aufhalten, um eine vollständige Antwort auf die Frage geben zu können. Aufgefallen
ist mir aber, wie gastfreundlich die Polen sind, was dazu geführt hat, dass ich
mich nie fremd oder als nicht willkommen gefühlt habe. Alles schien mir von der
ersten Sekunde an sehr vertraut.
Lisa: Ich war zum ersten Mal in
Dänemark und da wir sehr lange Arbeitszeiten hatten, war ich fast immer auf dem
Hof und hatte nur wenig Zeit, das Land kennenzulernen.
Anna: Da ich schon häufiger in Dänemark war, habe ich das Land etwas besser kennengelernt.
Ich würde sagen, dass die Werte gut umgesetzt werden. Vor allem die Freiheit
ist in Dänemark sehr wichtig. Zwar ist es schwer zu beschreiben, wie sie direkt
umgesetzt wird, aber jedes Mal, wenn ich nach Dänemark komme, habe ich
ebenfalls dieses Gefühl von Freiheit, von dem mein Chef auch schon oft
gesprochen hat. Auffällig ist auch, dass die Dänen ausgesprochen tolerant sind.
Die große Bedeutung der Freiheit ist
wahrscheinlich auch der Grund, für einen weiteren Wert, der außerhalb
Skandinaviens noch wenig bekannt ist. Er wird als “hygge” bezeichnet und lässt
sich schwer übersetzen, beschreibt jedoch treffend das Land, die Menschen und
deren Lebensweise. Die deutsche Übersetzung des entsprechenden Adjektivs ist
vielleicht “gut”, “gemütlich” oder
“nett”. Jedoch wird diese Übersetzung dem Begriff nicht gerecht, da sich eigentlich
viel mehr hinter ihm verbirgt, was sich jedoch nicht erklären, sondern nur
selbst erleben lässt. Fakt ist, man fühlt sich in diesem Land einfach nur wohl.
Hast
du landesspezifische Rituale oder Traditionen kennengelernt?
Celine: Ich habe schon des Öfteren
gehört, dass die Engländer viel Tee trinken würden und das kann ich definitiv
unterschreiben. Die Mitarbeiter trinken den ganzen Tag Tee und Kaffee und ich
glaube, ich habe in der Woche mehr Tee getrunken als in meinem ganzen Leben.
Finn: Ich hatte leider keine
Möglichkeit, an Traditionen, die ausschließlich in Polen praktiziert werden, teilzunehmen.
Ich habe aber gehört, dass religiöse Feste von großer Bedeutung sind. Besonders
Weihnachten wird in dem katholisch geprägten Polen sehr aufwändig gefeiert. An
Heiligabend werden zwölf Gerichte serviert, allerdings aus einer alten
Tradition heraus alle ohne Fleisch.
Lisa: An den Wochenenden gab es mittags
immer selbstgebrannten Schnaps und es war sehr familiär, da alle Mahlzeiten
immer zusammen mit allen menschlichen Bewohnern des Hofes eingenommen wurden.
Können
wir Deutschen von den Menschen in deinem Gastgeberland etwas lernen?
Celine: Definitiv. Ich konnte
nicht glauben, wie offen die Menschen in meinem Betrieb nach nur wenigen
Sekunden waren. Außerdem hatte ich überhaupt keine Probleme, lustige Gespräche
führen, was mir normalerweise sehr schwer fällt. Ich habe dort auch Leute
kennengelernt, mit denen ich noch in Kontakt stehe. Da ich mein dreiwöchiges Praktikum
in der neunten Klasse auch im Büro und Lager absolviert habe und es deswegen
vergleichen kann, weiß ich, dass die Kontaktaufnahme in Deutschland viel
einfacher ist.
Anna: Die Dänen sind immer sehr
offen und sehr entspannt. Außerdem hatte man mit ihnen immer etwas zu lachen,
trotz mancher Verständigungsprobleme. Davon könnten wir Deutschen uns ruhig
etwas abschauen.
Traditionell beziehen wir in jede Ausgabe der Virus auch unsere Lehrerinnen und Lehrer mit ein, z.B. durch ein Lehrerinterview. Für unsere Sonderausgabe haben wir uns jedoch etwas Besonderes ausgedacht, und zwar wollten wir die Meinung möglichst vieler unserer Lehrerinnen und Lehrer einholen und haben daher eine Umfrage zum Thema „Europäische Werte“ erstellt, deren Ergebnisse ihr in diesem Artikel lesen könnt.Untere Reihe von links nach rechts: Gülsen Şen (Türkei), Donjeta Fetahaj (Kosovo), Carla Weitkamp (Portugal). Obere Reihe von links nach rechts: Stefania Salamon (Italien), Anastasia Peters (Russland), Erhan Toksözlü (Türkei), Sebastian Schmeding (Deutschland), Michael Jendrzey (Polen). Foto: FlöF
Dies war besonders deshalb interessant, weil wir nicht nur im Hinblick auf unsere Schülerschaft eine „Multikulti-Schule“ sind, sondern auch viele unserer Lehrerinnen/Lehrer internationale Wurzeln haben; einige von ihnen haben sich bereit erklärt, für unser Foto (s.u.) zur Verfügung zu stellen.
Die Redaktion freut sich darüber, dass wir sehr viele, nämlich über 60 Fragebögen zurückbekommen haben und bedankt sich noch einmal bei allen Teilnehmenden.
Unsere erste Frage lautete, ob unseren Lehrerinnen/Lehrern die Europäische Union wichtig sei, was einstimmig mit „ja“ beantwortet wurde.
Außerdem wollten wir von ihnen wissen, welche Werte sie mit der EU verbinden. Dabei sind 55 verschiedene Werte genannt worden, die wir hier natürlich nicht alle nennen können. Am häufigsten jedoch wurden die Werte Freiheit, Frieden, Toleranz, Demokratie und Vielfältigkeit aufgezählt, dicht gefolgt von den Begriffen Zusammenarbeit/-halt, Gemeinschaft, Menschenrechte und -würde, Sicherheit, Solidarität, Offenheit und Respekt.
Eng verbunden mit dieser Frage war die nächste, in der es darum ging, welche dieser Werte unseren Lehrerinnen/Lehrern am wichtigsten sind. Am häufigsten wurde die Freiheit genannt und mit einer Stimme weniger folgten Demokratie und Frieden sowie kurz dahinter die Toleranz.
Auf die folgende Frage, ob die notierten Werte an der AFS vermittelt werden, antwortete eine große Mehrheit mit „ja“, aber ungefähr 13 Prozent haben „nein“ angekreuzt und für ca. 10 Prozent der Lehrerinnen/Lehrer werden sie nur teilweise übermittelt.
Bei der nächsten Frage ging es darum, für welche der aufgezählten Werte sich Deutschland während seiner EU-Ratspräsidentschaft einsetzen sollte. Diesmal stand Demokratie an erster Stelle, dicht gefolgt von Frieden, Zusammenhalt bzw. Gemeinschaft, Toleranz, Vielfalt und Menschenrechte.
Auf die anschließende Frage, was unsere Lehrerinnen/Lehrer vermissen würden, wenn Deutschland nicht mehr in der EU wäre, wurde, wie fast zu erwarten war, am häufigsten die Offenheit der Grenzen und somit die Reisefreiheit angesprochen. Auch würden viele den Euro vermissen sowie die Tatsache, dass wir nicht mehr Teil eines großen Ganzen wären und somit der Austausch und die Gemeinschaft verloren gingen.
Abschließend war es uns noch wichtig zu wissen, ob die Befragten uns sonst noch etwas zu dem Thema mitteilen wollten. Häufig wurde genannt, dass die EU mehr Verantwortung in den Bereichen Flüchtlingspolitik und Umweltschutz übernehmen sollte, und es wurde gefordert, dass Deutschland sich dafür auch deutlich einsetzen sollte. Außerdem gab es den Wunsch nach einer Ausweitung der Möglichkeiten einer Kontaktaufnahme zwischen Jugendlichen in Europa, z.B. durch Schulpartnerschaften, was damit begründet wurde, dass diese zum Wachstum der europäischen Identität beitragen würden.
Auch wurde gesagt, die EU müsse von allen gelebt werden, um sie zu erhalten und Problemen, die nur gemeinschaftlich lösbar seien, entgegentreten zu können. Eine weitere Forderung war, sich verstärkt gegen nationale Züge in der Politik einzusetzen und sich dabei nicht nur auf Europa zu beschränken, sondern die gesamte Welt im Blick zu haben.
Da alle die Freiheit hatten, ihre eigene Meinung zum Thema kundzutun, waren die Antworten so vielfältig, dass wir sie nicht alle nennen können. Auffällig war aber die häufige Nennung zentraler Werte wie z.B. Demokratie, Frieden, Gemeinschaft, Freiheit und Toleranz, was zeigt, dass viele mit dem Begriff Europa die gleichen Werte in Verbindung bringen.
Abschließend möchte ich noch einen Satz zitieren, der Europas Eigenschaften besonders gut beschreibt: „Heimat sollte nicht als Land, sondern als Gefühl identifiziert werden“.
Die Bewegung
„Fridays for Future“ existiert nun schon seit gut einem Jahr und am 21. Juni hat
nun die erste offizielle internationale Demonstration in Aachen stattgefunden. Unter
den 35.000 bis 40.000 Demonstranten waren auch Schülerinnen und Schüler unserer
Schule vertreten.
Den Feiertag
am Donnerstag nutzten wir, um die Reise nach Aachen anzutreten; die
Demonstration selbst fand wie immer am Freitag statt. Es gab insgesamt fünf verschiedene
Treffpunkte, von denen aus gestartet wurde; für uns begann die Demo am Hauptbahnhof.
Die
Organisatoren hatten mit 10000 Teilnehmern gerechnet und die Polizei hatte sich
auf 20.000 Demonstranten vorbereitet.
Diese Zahlen wurden bei weitem übertroffen, denn alleine am Bahnhof
fanden sich geschätzt 24.000 Menschen zusammen.
Nach einer
kleinen Verspätung, setzte sich der Demonstrationszug in Richtung Innenstadt in
Bewegung. Das eigentliche Ziel war das Stadion „Tivoli“. Zweieinhalb Stunden marschierten
wir durch die Innenstadt, vorbei am Haus
der Kohle und am Aachener Dom. Dabei wurden bekannte Slogans in verschiedenen
Sprachen gerufen, wie beispielsweise „Wer nicht hüpft, der ist für Kohle“ und „
What do we want? – Climate-Justice! – When do we want it? – Now!“.
Die Slogans
und das gute Wetter sorgten bis zum Ende für eine gute Stimmung, obwohl durch
das langsame Fortbewegen vielen von uns so langsam die Füße schmerzten. Daher waren wir froh, als wir schließlich am
Tivoli-Stadion ankamen, wo es bis 18 Uhr ein Musik-und Vortragsprogramm gab.
Die Polizei
war während der gesamten Veranstaltung präsent und der Protest verlief
friedlich.
Nun besteht
die Hoffnung, dass die Forderung von uns
und den anderen Fridays for Future Anhängern, die aus 15 weiteren Ländern
angereist waren, genug Aufsehen erregt hat, damit sich die Politik mehr für den
Klimaschutz einsetzt.
Henrike
Kuckelt, Anna Kötter, Thore Brandau und Linus Martinschledde (EF)
Unter dem Titel „YOUrope –
es geht um dich!“ fand in diesem Jahr der 66. Europäische Wettbewerb statt, an
dem sich Schülerinnen und Schüler aus den Jahrgängen 6, 7, 8, 9 und 11 mit
vielfältigen Beiträgen beteiligten.
Besonders erfolgreich waren einige Schülerinnen aus dem achten
Jahrgang, die jeweils einen Landespreis erhielten.
Joy Louice Köntges belegte in der Kategorie Einzelarbeit mit
ihrem Bild „Tränen und Schweiß“ den dritten Platz in der Einzelwertung zum
Thema „Influencer“. Zum gleichen Thema gestalteten Paige Campbell, Katharina
Horsthemke und Juliet Schrull eine Collage zum Thema „Real Life – Insta Leben“,
wofür sie ebenfalls den dritten Platz belegten, und zwar in der Kategorie
„Gruppenarbeit“.
Den stolzen Gewinnerinnen wurden die Preise am 28. Juni von
Christian Schneider, dem Landesbeauftragten des Europäischen Wettbewerbs für
NRW, in der Geschwister-Scholl-Realschule verliehen, zu der alle
Preisträgerinnen und Preisträgern aus Ostwestfalen eingeladen waren. Im Rahmen
einer Feierstunde wurden nicht nur die Preise überreicht, sondern es wurden
auch alle Gewinnerbeiträge präsentiert.
Ein herzlicher Glückwunsch an die vier Preisträgerinnen.