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Die neue „VIRUS“ ist da!

Am Montag, dem 16.12. 2019, erscheint die neue Ausgabe der Schülerzeitung „Virus“. Diese Zeitung ist eine Extraausgabe zu dem Thema „Europäische Werte“. Da die Ausgabe neben den Texten auch einige selbstgestaltete Illustrationen enthält, wird sie komplett in Farbe gedruckt, weshalb unsere „Virus“ ausnahmsweise einen Euro statt 50 Cent kostet.

Sie wird ab dem 16.12. in allen Pausen im Foyer der Schule verkauft.

Inhalt

Vorwort

Europäische Werte

Zusammenhalt für Demokratie, Freiheit und Menschenrechte

Gefangen in Algorithmen

Asyl – ein wichtiges Menschenrecht

Frieden, Freiheit und Demokratie – nicht für alle eine Selbstverständlichkeit

Homosexualität – Akzeptanz oder Intoleranz?

Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit

Schulintern

Lehrerumfrage

Praktikum im Ausland

Klimaschutz

Das Sorgenkind Klimaschutz   

Klimaschutz ist nicht nur Aufgabe der Politiker

Recyceln statt Wegwerfen

Schale statt Plastik

Kreuzworträtsel

Impressum

Praktikum im Ausland

Vielen ist sicher bekannt, dass die SchülerInnen unserer Schule im Jahrgang 9 ein dreiwöchiges Praktikum absolvieren, manche von euch wissen aber vielleicht nicht, dass ein weiteres Praktikum  für die ZwölftklässlerInnen Pflicht ist. Dieses liegt meistens eine Woche vor den Herbstferien, sodass die Möglichkeit besteht, den Aufenthalt in die Ferienzeit hinein zu verlängern.

Das Praktikum allein ist für die meisten schon eine aufregende Erfahrung, da sie in eine neue Umgebung kommen, mit völlig neuen Leuten zusammenarbeiten und eine neue Situation kennenlernen. Wenn jedoch noch dazu kommt, dass das gewohnte Zuhause Kilometer weit entfernt liegt und man in ein anderes europäisches Land reist, wird aus einem gewöhnlichen Schulbetriebspraktikum ein kleines Abenteuer.

In solch ein kleines Abenteuer haben sich vier SchülerInnen des diesjährigen zwölften Jahrgangs gestürzt, zu denen auch ich gehörte. Zwei von uns erhielten hierbei die Unterstützung durch die Osthushenrich-Stiftung, die die Fahrtkosten bezahlt hat.

In dem folgenden Interview möchten wir euch unseren ganz Individuellen Erlebnissen und Eindrücke nahebringen.

Wo bist du gewesen und in welchem Bereich hast du dein Praktikum absolviert?

Celine: Ich war in Preston, das ist in England, und zwar bei der Firma Direct Heating Spares, einer Firma für Ersatzteile, zum Beispiel von Heizkesseln oder Duschen. Tätig war ich in verschiedenen Bereichen, wie zum Beispiel in der IT, im Call Centre, im Wareneingang, im Lager usw.

Finn: Ich war in „Graudenz”, der polnischen Partnerstadt Güterslohs und habe dort als Lehrer an unserer Partnerschule gearbeitet, die ich schon durch den Schüleraustausch kannte.

Finn auf der Heide als „Lehrer“ in Polen.

Lisa: Ich war zusammen mit Anna in Dänemark. Dort haben wir auf einem kleinen Reiterhof gearbeitet.

Anna: Der Ort, an dem wir waren, hieß Hvide Sande und wir haben in den Bereichen Pferdewirtschaft und Touristik gearbeitet. Den Hof kenne ich schon sehr lange und bin auch schon oft da gewesen.

Welche Aufgaben hast du übernommen?

Celine: Bei den Bürotätigkeiten durfte ich nur zuschauen beziehungsweise bei den Anrufen zuhören und im Lager durfte ich dann alles Mögliche machen, wie zum Beispiel den Wareneingang kontrollieren, also zuschauen, ob alles da ist, die Papiere für den weiteren Verlauf drucken oder die Produkte etikettieren. Außerdem musste ich auch durch das gesamte Lager laufen und Produkte „einsammeln”. Das sind allerdings nur einige der vielen Aufgaben, die ich hatte.

Finn: Ich habe den Lehrern dabei geholfen, ihren Unterricht zu gestalten, mit den SchülerInnen Deutsch geredet, aber auch eigene Deutschstunde gestaltet, zum Beispiel durch Vorträge über meinen Aufenthalt in Argentinien.

Lisa und Anna: Wir haben uns um das Füttern der Pferde und der restlichen Tiere gekümmert, haben sauber gemacht, Reitstunden gegeben und sind bei Strandausflügen vorgeritten.

Freiheit, Demokratie und Menschenrechte – Inwieweit werden diese Werte in dem Land umgesetzt, in dem du warst?

Celine: Ich kann natürlich nicht für das ganze Land sprechen, aber in dem Betrieb, in dem ich war, wurden alle gleich behandelt, egal, ob jemand im Büro oder im Lager arbeitet. Jeder hat jeden akzeptiert und auch der Chef hat sich nicht so aufgeführt, wie man es sich manchmal vorstellt. Alle konnten sagen, wenn sie ein Problem hatten, solange es sich um berufliche Belange handelte. Und in England selbst habe ich mich sehr frei gefühlt.

Finn: Soweit ich es mitbekommen habe, wurden diese Werte gut umgesetzt, aber man müsste sich länger in Polen aufhalten, um eine vollständige Antwort auf die Frage geben zu können. Aufgefallen ist mir aber, wie gastfreundlich die Polen sind, was dazu geführt hat, dass ich mich nie fremd oder als nicht willkommen gefühlt habe. Alles schien mir von der ersten Sekunde an sehr vertraut.

Lisa: Ich war zum ersten Mal in Dänemark und da wir sehr lange Arbeitszeiten hatten, war ich fast immer auf dem Hof und hatte nur wenig Zeit, das Land kennenzulernen.

Anna: Da ich schon häufiger in Dänemark war, habe ich das Land etwas besser kennengelernt. Ich würde sagen, dass die Werte gut umgesetzt werden. Vor allem die Freiheit ist in Dänemark sehr wichtig. Zwar ist es schwer zu beschreiben, wie sie direkt umgesetzt wird, aber jedes Mal, wenn ich nach Dänemark komme, habe ich ebenfalls dieses Gefühl von Freiheit, von dem mein Chef auch schon oft gesprochen hat. Auffällig ist auch, dass die Dänen ausgesprochen tolerant sind.

Die große Bedeutung der Freiheit ist wahrscheinlich auch der Grund, für einen weiteren Wert, der außerhalb Skandinaviens noch wenig bekannt ist. Er wird als “hygge” bezeichnet und lässt sich schwer übersetzen, beschreibt jedoch treffend das Land, die Menschen und deren Lebensweise. Die deutsche Übersetzung des entsprechenden Adjektivs ist vielleicht  “gut”, “gemütlich” oder “nett”. Jedoch wird diese Übersetzung dem Begriff nicht gerecht, da sich eigentlich viel mehr hinter ihm verbirgt, was sich jedoch nicht erklären, sondern nur selbst erleben lässt. Fakt ist, man fühlt sich in diesem Land einfach nur wohl.

Hast du landesspezifische Rituale oder Traditionen kennengelernt?

Celine: Ich habe schon des Öfteren gehört, dass die Engländer viel Tee trinken würden und das kann ich definitiv unterschreiben. Die Mitarbeiter trinken den ganzen Tag Tee und Kaffee und ich glaube, ich habe in der Woche mehr Tee getrunken als in meinem ganzen Leben.

Finn: Ich hatte leider keine Möglichkeit, an Traditionen, die ausschließlich in Polen praktiziert werden, teilzunehmen. Ich habe aber gehört, dass religiöse Feste von großer Bedeutung sind. Besonders Weihnachten wird in dem katholisch geprägten Polen sehr aufwändig gefeiert. An Heiligabend werden zwölf Gerichte serviert, allerdings aus einer alten Tradition heraus alle ohne Fleisch.

Lisa: An den Wochenenden gab es mittags immer selbstgebrannten Schnaps und es war sehr familiär, da alle Mahlzeiten immer zusammen mit allen menschlichen Bewohnern des Hofes eingenommen wurden.

Können wir Deutschen von den Menschen in deinem Gastgeberland etwas lernen?

Celine: Definitiv. Ich konnte nicht glauben, wie offen die Menschen in meinem Betrieb nach nur wenigen Sekunden waren. Außerdem hatte ich überhaupt keine Probleme, lustige Gespräche führen, was mir normalerweise sehr schwer fällt. Ich habe dort auch Leute kennengelernt, mit denen ich noch in Kontakt stehe. Da ich mein dreiwöchiges Praktikum in der neunten Klasse auch im Büro und Lager absolviert habe und es deswegen vergleichen kann, weiß ich, dass die Kontaktaufnahme in Deutschland viel einfacher ist.

Anna: Die Dänen sind immer sehr offen und sehr entspannt. Außerdem hatte man mit ihnen immer etwas zu lachen, trotz mancher Verständigungsprobleme. Davon könnten wir Deutschen uns ruhig etwas abschauen.

Text: Anna Kötter, Q1

Fotos von Finn auf der Heide und Anna Kötter

Auswertung: Lehrerumfrage zum Thema „Europäische Werte“

Traditionell beziehen wir in jede Ausgabe der Virus auch unsere Lehrerinnen und Lehrer mit ein, z.B. durch ein Lehrerinterview. Für unsere Sonderausgabe haben wir uns jedoch etwas Besonderes ausgedacht, und zwar wollten wir die Meinung möglichst vieler unserer Lehrerinnen und Lehrer einholen und haben daher eine Umfrage zum Thema „Europäische Werte“ erstellt, deren Ergebnisse ihr in diesem Artikel lesen könnt.Untere Reihe von links nach rechts: Gülsen Şen (Türkei), Donjeta Fetahaj (Kosovo), Carla Weitkamp (Portugal). Obere Reihe von links nach rechts: Stefania Salamon (Italien), Anastasia Peters (Russland), Erhan Toksözlü (Türkei), Sebastian Schmeding (Deutschland), Michael Jendrzey (Polen). Foto: FlöF

Dies war besonders deshalb interessant, weil wir nicht nur im Hinblick auf unsere Schülerschaft eine „Multikulti-Schule“ sind, sondern auch viele unserer Lehrerinnen/Lehrer internationale Wurzeln haben; einige von ihnen haben sich bereit erklärt, für unser Foto (s.u.) zur Verfügung zu stellen.

Die Redaktion freut sich darüber, dass wir sehr viele, nämlich über 60 Fragebögen zurückbekommen haben und bedankt sich noch einmal bei allen Teilnehmenden.

Unsere erste Frage lautete, ob unseren Lehrerinnen/Lehrern die Europäische Union wichtig sei, was einstimmig mit „ja“ beantwortet wurde.

Außerdem wollten wir von ihnen wissen, welche Werte sie mit der EU verbinden. Dabei sind 55 verschiedene Werte genannt worden, die wir hier natürlich nicht alle nennen können. Am häufigsten jedoch wurden die Werte Freiheit, Frieden, Toleranz, Demokratie und Vielfältigkeit aufgezählt, dicht gefolgt von den Begriffen Zusammenarbeit/-halt, Gemeinschaft, Menschenrechte und -würde, Sicherheit, Solidarität, Offenheit und Respekt.

Eng verbunden mit dieser Frage war die nächste, in der es darum ging, welche dieser Werte unseren Lehrerinnen/Lehrern am wichtigsten sind. Am häufigsten wurde die Freiheit genannt und mit einer Stimme weniger folgten Demokratie und Frieden sowie kurz dahinter die Toleranz.

Auf die folgende Frage, ob die notierten  Werte an der AFS vermittelt werden, antwortete eine große Mehrheit mit „ja“, aber ungefähr 13 Prozent haben „nein“ angekreuzt und für ca. 10 Prozent der
Lehrerinnen/Lehrer werden sie nur teilweise übermittelt.

Bei der nächsten Frage ging es darum, für welche der aufgezählten Werte sich Deutschland während seiner EU-Ratspräsidentschaft einsetzen sollte. Diesmal stand Demokratie an erster Stelle, dicht gefolgt von Frieden, Zusammenhalt bzw. Gemeinschaft, Toleranz, Vielfalt und Menschenrechte.

Auf die anschließende Frage, was unsere Lehrerinnen/Lehrer vermissen würden, wenn Deutschland nicht mehr in der EU wäre, wurde, wie fast zu erwarten war, am häufigsten die Offenheit der Grenzen und somit die Reisefreiheit angesprochen. Auch würden viele den Euro vermissen sowie die Tatsache, dass wir nicht mehr Teil eines großen Ganzen wären und somit der Austausch und die Gemeinschaft verloren gingen.

Abschließend war es uns noch wichtig zu wissen, ob die Befragten uns sonst noch etwas zu dem Thema mitteilen wollten. Häufig wurde genannt, dass die EU mehr Verantwortung in den Bereichen Flüchtlingspolitik und Umweltschutz übernehmen sollte, und es wurde gefordert, dass Deutschland sich dafür auch deutlich einsetzen sollte. Außerdem gab es den Wunsch nach einer Ausweitung der Möglichkeiten einer Kontaktaufnahme zwischen Jugendlichen in Europa, z.B. durch Schulpartnerschaften, was damit begründet wurde, dass diese zum Wachstum der europäischen Identität beitragen würden.

Auch wurde gesagt, die EU müsse von allen gelebt werden, um sie zu erhalten und Problemen, die nur gemeinschaftlich lösbar seien, entgegentreten zu können. Eine weitere Forderung war, sich verstärkt gegen nationale Züge in der Politik einzusetzen und sich dabei nicht nur auf Europa zu beschränken, sondern die gesamte Welt im Blick zu haben.

Da alle die Freiheit hatten, ihre eigene Meinung zum Thema kundzutun, waren die Antworten so vielfältig, dass wir sie nicht alle nennen können. Auffällig war aber die häufige Nennung zentraler Werte wie z.B. Demokratie, Frieden, Gemeinschaft, Freiheit und Toleranz, was zeigt, dass viele mit dem Begriff Europa die gleichen Werte in Verbindung bringen.

Abschließend möchte ich noch einen Satz zitieren, der Europas Eigenschaften besonders gut beschreibt: „Heimat sollte nicht als Land, sondern als Gefühl identifiziert werden“.

Anna Kötter, Q1

Der Klimawandel schert sich nicht um Landesgrenzen und wir tun es auch nicht

Die Bewegung „Fridays for Future“ existiert nun schon seit gut einem Jahr und am 21. Juni hat nun die erste offizielle internationale Demonstration in Aachen stattgefunden. Unter den 35.000 bis 40.000 Demonstranten waren auch Schülerinnen und Schüler unserer Schule vertreten.

Den Feiertag am Donnerstag nutzten wir, um die Reise nach Aachen anzutreten; die Demonstration selbst fand wie immer am Freitag statt.  Es gab insgesamt fünf verschiedene Treffpunkte, von denen aus gestartet wurde; für uns begann die Demo am Hauptbahnhof.  

Die Organisatoren hatten mit 10000 Teilnehmern gerechnet und die Polizei hatte sich auf 20.000 Demonstranten vorbereitet.  Diese Zahlen wurden bei weitem übertroffen, denn alleine am Bahnhof fanden sich geschätzt 24.000 Menschen zusammen.

Nach einer kleinen Verspätung, setzte sich der Demonstrationszug in Richtung Innenstadt in Bewegung. Das eigentliche Ziel war das Stadion „Tivoli“. Zweieinhalb Stunden marschierten wir  durch die Innenstadt, vorbei am Haus der Kohle und am Aachener Dom. Dabei wurden bekannte Slogans in verschiedenen Sprachen gerufen, wie beispielsweise „Wer nicht hüpft, der ist für Kohle“ und „ What do we want? – Climate-Justice! – When do we want it? – Now!“.

Die Slogans und das gute Wetter sorgten bis zum Ende für eine gute Stimmung, obwohl durch das langsame Fortbewegen vielen von uns so langsam die Füße schmerzten.  Daher waren wir froh, als wir schließlich am Tivoli-Stadion ankamen, wo es bis 18 Uhr ein Musik-und Vortragsprogramm gab.

Die Polizei war während der gesamten Veranstaltung präsent und der Protest verlief friedlich.

Nun besteht die Hoffnung, dass die Forderung  von uns und den anderen Fridays for Future Anhängern, die aus 15 weiteren Ländern angereist waren, genug Aufsehen erregt hat, damit sich die Politik mehr für den Klimaschutz einsetzt.

Henrike Kuckelt, Anna Kötter, Thore Brandau und Linus Martinschledde (EF)

Erfolgreiche Teilnahme am Europäischen Wettbewerb

Unter dem Titel „YOUrope – es geht um dich!“ fand in diesem Jahr der 66. Europäische Wettbewerb statt, an dem sich Schülerinnen und Schüler aus den Jahrgängen 6, 7, 8, 9 und 11 mit vielfältigen Beiträgen beteiligten.

Besonders erfolgreich waren einige Schülerinnen aus dem achten Jahrgang, die jeweils einen Landespreis erhielten.

Joy Louice Köntges belegte in der Kategorie Einzelarbeit mit ihrem Bild „Tränen und Schweiß“ den dritten Platz in der Einzelwertung zum Thema „Influencer“. Zum gleichen Thema gestalteten Paige Campbell, Katharina Horsthemke und Juliet Schrull eine Collage zum Thema „Real Life – Insta Leben“, wofür sie ebenfalls den dritten Platz belegten, und zwar in der Kategorie „Gruppenarbeit“.

Den stolzen Gewinnerinnen wurden die Preise am 28. Juni von Christian Schneider, dem Landesbeauftragten des Europäischen Wettbewerbs für NRW, in der Geschwister-Scholl-Realschule verliehen, zu der alle Preisträgerinnen und Preisträgern aus Ostwestfalen eingeladen waren. Im Rahmen einer Feierstunde wurden nicht nur die Preise überreicht, sondern es wurden auch alle Gewinnerbeiträge präsentiert.

Ein herzlicher Glückwunsch an die vier Preisträgerinnen.

Die Europawahl 2019

Die Europawahl ist die zweitgrößte demokratische Wahl weltweit. Mit über 400 Millionen Wahlberechtigten ist sie jedoch deutlich kleiner als die Parlamentswahl in Indien.

Zunächst einmal ist zu sagen, dass das europäische Parlament ähnlich aufgebaut ist wie der Bundestag und es folgende Fraktionen gibt: die konservative Europäische Volkspartei, die Sozialdemokraten, die Liberalen, die Linken und die Grünen.

Am 26. Mai gab es wieder einmal eine Europawahl und es stellt sich die Frage, wie die einzelnen 28 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union gewählt  haben und inwieweit sich die Ergebnisse in Deutschland von denen in den anderen Mitgliedsstaaten unterscheiden.

In Deutschland sind die Grünen, die  mit über 20% ihr bislang bestes Ergebnis erzielt haben, die deutlichen Wahlgewinner; insgesamt haben sie in Europa allerdings nicht so viele Stimmen bekommen wie in Deutschland. 

Klare Verlierer der Wahl sind bei uns die beiden Volksparteien CDU/CSU und SPD. Zwar ist die Union noch die stärkste Kraft in Deutschland, hat aber im Vergleich zu den vorherigen Wahlen einige Prozente verloren. Gründe für diesen Rückgang sind wahrscheinlich die Debatte um den Artikel 13 und das zu geringe Engagement der Partei im Bereich der Umweltpolitik. Denn diese beiden Themen waren für die jungen Wählerinnen und Wähler von großem Interesse, weshalb viele Jungwähler nicht für die Union gestimmt haben.

Noch schlimmer hat es die SPD getroffen, die satte 10% verloren hat und nur noch bei 15% liegt. Das schlechte Ergebnis lässt sich höchstwahrscheinlich auf die aktuelle GroKo-Regierung zurückführen, da die Bürgerinnen und Bürger zunehmend das Gefühl haben, dass die Sozialdemokraten nicht ihre vorher versprochenen Forderungen durchsetzen konnten und sich zu sehr von der CDU beeinflussen lassen, weshalb die SPD an Glaubwürdigkeit verloren hat.

Die FDP und die Linken sind in dem meisten Teilen Deutschlands nur Randerscheinungen und kommen jeweils nur auf ca. 5,5% der Stimmen. Dies sieht in anderen Ländern anders aus, weshalb die europäischen Linken und Liberalen im Europaparlament recht stark sind, was frischen Wind in die Politik bringen wird.

Erstaunlich ist, dass entgegen aller Befürchtungen die Anzahl der Stimmen für die AFD im Gegensatz zur Bundestagswahl deutlich zurückgegangen ist, was daran liegen kann, dass die Klimapolitik insbesondere für jugendliche Wähler deutlich wichtiger ist als die Flüchtlingspolitik.

Dies sieht in anderen Ländern allerdings anders aus. In Frankreich, Ungarn, Tschechien, Polen, Kroatien, Italien, Finnland und Dänemark haben vor allem konservative, rechtskonservative und nationalliberale Parteien die meisten Stimmen bekommen.

Dagegen haben in Spanien, in den Niederlanden, in Schweden, Griechenland, Rumänien, Malta und Portugal vor allem die Sozialisten und Sozialdemokraten gewonnen, wodurch sie sich im Europäischen Parlament deutlich etablieren konnten. Und die Liberalen wiederum haben in Litauen, Estland und Luxemburg die meisten Stimmen erhalten und sind somit die zweitgrößte Fraktion im EU-Parlament.

Wie schon erwähnt waren für dieser Wahl vor allem die Erstwähler und Wähler unter 30 sehr wichtig; sie haben vor allem liberale, linke und grüne Parteien gewählt, da ihnen eine Zukunft mit offenen Grenzen, einer geschützten Umwelt und einer umfassenden Digitalisierung wichtig ist.

Im Gegensatz dazu wählten die älteren Generationen eher  Sozialdemokraten, Rechte und Konservative, da sie auf Beständigkeit setzen.

Vor der Wahl gab es große Befürchtungen im Hinblick auf einen Rechtsruck in Europa und die damit verbundene Gefährdung des europäischen Gedankens. Und obwohl der Rechtsruck deutlich schwächer ausgefallen ist als erwartet, darf man die Gefahr nicht unterschätzen, die von Politikern wie Salvini, Le Pen oder Orban ausgeht.

Aleksandar Mitrovic, Q2