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Sophie Goldbecker – „Was ich nicht weiß…“

Die Figur: „Was ich nicht weiß…“ habe ich zu dem Thema Ökobilanz eines Klicks entworfen. Die verwendeten Materialien sind: Ton, Styropor, Acrylfarbe (schwarz, weiß), Blattgold und Blattbronze, Rinde, Steine sowie rote Glassteine.
Der Titel spielt auf den Spruch: „Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß“ an. Dabei geht es mir darum, auf das Thema der Klimaerwärmung aufmerksam zu machen, deren Auswirkungen auf die Umwelt der Menschheit Jahrtausende nicht bewusst war. Jetzt, wo wir wissen, dass sich die Welt erhitzt, ist es vielen Menschen aber immer noch nicht bewusst, wie sehr sie Teil dieses Problems sind.
Die Figur im Allgemeinem repräsentiert uns als moderne Gesellschaft. Die weißen Bereiche stellen uns in der digitalen Welt dar – wie wir shoppen, streamen usw. Doch das Image der perfekten Welt scheint zu bröckeln und legt die Schattenseiten der Klimaerwärmung – dargestellt durch die schwarzen Stellen in der Skulptur – offen. Diese stehen folglich für die Konsequenzen unseres Konsumverhaltens.
Das Handy im Kopf der Figur soll primär den Bezug zum Internet herstellen. Es hat sich in unserem Alltag etabliert und bestimmt somit nicht unerheblich unser Denken und Handeln. Was diese Tatsache für die Umwelt bedeutet, ist vielen Menschen nicht bewusst.
Sie bestellen im Internet, ohne darüber nachzudenken, woher das Produkt überhaupt kommt, wie es hergestellt oder transportiert wird. Unterstützt durch das Blattgold soll dargestellt werden, wie „schön“ und bequem unser Verhalten für uns scheint. Es ist vor allem in Zeiten der Pandemie besonders praktisch, Dinge im Internet – mit nur einem Klick – zu bestellen. Woher das Produkt kommt, spielt dabei oftmals keine große Rolle, denn wir orientieren uns nicht selten einfach nur am Preis.
Verdeutlicht durch die Rinde und die Steine in der Skulptur stehen die schwarzen Stellen für unsere Umwelt, die unter unserem Handeln leidet. Es ist unbequem, darüber nachzudenken, wie viel man selber der Umwelt schadet. Also bleiben wir in unserer Komfortzone – dem Internet – dargeboten als weißer Bereich in der Skulptur.
Unsere Welt im Internet ist schön, doch die digitale Welt ist rücksichtslos für unsere Umwelt. Wir wissen dies, doch ist uns unser eigener Komfort oft wichtiger. Daher habe ich die Blattbronze verwendet, da diese weniger wertvoll ist als das Gold. Es soll damit ausgedrückt werden, dass Menschen, die bewusst leben und verantwortungsvoll mit unserer Umwelt umgehen, auf einige Dinge im Alltag verzichten müssen.
Die roten Glassteine an den Übergängen zwischen den weißen und schwarzen Stellen stehen für die Grenzen unserer Komfortzone. Dies kann zum Beispiel ein höherer Preis für ein Fairtrade-Produkt, die längere Lieferzeit oder der Verzicht auf den Onlinehandel sein. Die Linie ist nicht konstant, da sich bereits viele Menschen die Mühe geben, ihre eigenen Grenzen zu überschreiten, um umweltbewusster und nachhaltiger zu leben.
Wie dringend ein Umdenken für uns ist, zeigt die schwarze Farbe, die der Figur aus der Nase läuft. Die Umweltprobleme habe ich folglich wie eine Krankheit dargestellt. Ein Bluten aus der Nase weist beispielsweise nach einem Unfall häufig auf eine Kopfverletzung hin. Den „Unfall“ haben wir als Gesellschaft durch unser rücksichtsloses Verhalten schon längst verursacht. Unsere Umwelt ist verletzt worden und sie zeigt es uns jeden Tag: Waldbrände, Stürme, Orkane, Tsunamis und der Klimawandel sind die Folgen ihrer Verletzung. Es ist an uns zu handeln – oder diese Krankheit wird uns vernichten.
Meine Figur dient mir als Appell an die Gesellschaft. Viele sagen sich, so schädlich könne es doch nicht sein, etwas aus China oder den USA zu bestellen. Aber ich appelliere an diese Menschen und fordere sie auf, sich zu fragen, was daran sollte nicht schädlich sein? Es ist an uns zu handeln, denn die nächsten Generationen werden keine Zeit mehr haben, um dies für uns zu tun.