Die Europawahl ist die zweitgrößte demokratische Wahl weltweit.
Mit über 400 Millionen Wahlberechtigten ist sie jedoch deutlich kleiner als die
Parlamentswahl in Indien.
Zunächst einmal ist zu sagen, dass das europäische Parlament
ähnlich aufgebaut ist wie der Bundestag und es folgende Fraktionen gibt: die
konservative Europäische Volkspartei, die Sozialdemokraten, die Liberalen, die
Linken und die Grünen.
Am 26. Mai gab es wieder einmal eine Europawahl und es stellt sich
die Frage, wie die einzelnen 28 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union gewählt
haben und inwieweit sich die Ergebnisse
in Deutschland von denen in den anderen Mitgliedsstaaten unterscheiden.
In Deutschland sind die Grünen, die mit über 20% ihr bislang bestes Ergebnis
erzielt haben, die deutlichen Wahlgewinner; insgesamt haben sie in Europa
allerdings nicht so viele Stimmen bekommen wie in Deutschland.
Klare Verlierer der Wahl sind bei uns die beiden Volksparteien
CDU/CSU und SPD. Zwar ist die Union noch die stärkste Kraft in Deutschland, hat
aber im Vergleich zu den vorherigen Wahlen einige Prozente verloren. Gründe für
diesen Rückgang sind wahrscheinlich die Debatte um den Artikel 13 und das zu
geringe Engagement der Partei im Bereich der Umweltpolitik. Denn diese beiden
Themen waren für die jungen Wählerinnen und Wähler von großem Interesse, weshalb
viele Jungwähler nicht für die Union gestimmt haben.
Noch schlimmer hat es die SPD getroffen, die satte 10% verloren
hat und nur noch bei 15% liegt. Das schlechte Ergebnis lässt sich höchstwahrscheinlich
auf die aktuelle GroKo-Regierung zurückführen, da die Bürgerinnen und Bürger
zunehmend das Gefühl haben, dass die Sozialdemokraten nicht ihre vorher
versprochenen Forderungen durchsetzen konnten und sich zu sehr von der CDU
beeinflussen lassen, weshalb die SPD an Glaubwürdigkeit verloren hat.
Die FDP und die Linken sind in dem meisten Teilen Deutschlands nur
Randerscheinungen und kommen jeweils nur auf ca. 5,5% der Stimmen. Dies sieht
in anderen Ländern anders aus, weshalb die europäischen Linken und Liberalen im
Europaparlament recht stark sind, was frischen Wind in die Politik bringen wird.
Erstaunlich ist, dass entgegen aller Befürchtungen die Anzahl der
Stimmen für die AFD im Gegensatz zur Bundestagswahl deutlich zurückgegangen ist,
was daran liegen kann, dass die Klimapolitik insbesondere für jugendliche
Wähler deutlich wichtiger ist als die Flüchtlingspolitik.
Dies sieht in anderen Ländern allerdings anders aus. In
Frankreich, Ungarn, Tschechien, Polen, Kroatien, Italien, Finnland und Dänemark
haben vor allem konservative, rechtskonservative und nationalliberale Parteien
die meisten Stimmen bekommen.
Dagegen haben in Spanien, in den Niederlanden, in Schweden,
Griechenland, Rumänien, Malta und Portugal vor allem die Sozialisten und
Sozialdemokraten gewonnen, wodurch sie sich im Europäischen Parlament deutlich
etablieren konnten. Und die Liberalen wiederum haben in Litauen, Estland und
Luxemburg die meisten Stimmen erhalten und sind somit die zweitgrößte Fraktion
im EU-Parlament.
Wie schon erwähnt waren für dieser Wahl vor allem die Erstwähler
und Wähler unter 30 sehr wichtig; sie haben vor allem liberale, linke und grüne
Parteien gewählt, da ihnen eine Zukunft mit offenen Grenzen, einer geschützten
Umwelt und einer umfassenden Digitalisierung wichtig ist.
Im Gegensatz dazu wählten die älteren Generationen eher Sozialdemokraten, Rechte und Konservative, da
sie auf Beständigkeit setzen.
Vor der Wahl gab es große Befürchtungen im Hinblick auf einen
Rechtsruck in Europa und die damit verbundene Gefährdung des europäischen
Gedankens. Und obwohl der Rechtsruck deutlich schwächer ausgefallen ist als
erwartet, darf man die Gefahr nicht unterschätzen, die von Politikern wie
Salvini, Le Pen oder Orban ausgeht.
Anfang Juni verbrachten wir eine Woche in unserer polnischen
Partnerstadt Grudziądz, auf Deutsch Graudenz.
Als wir am Sonntagabend in Gütersloh abfuhren, war eine aufgeregte Stimmung im Bus und wir alle
freuten uns auf Polen und unsere polnischen Gastgeber. In der Nacht wurde
natürlich nicht viel geschlafen und dementsprechend waren wir auch alle
ziemlich erschöpft, als wir in Graudenz ankamen. Dort wurden von unseren
Austauschschülern freudig erwartet und begrüßt.
Nachdem wir unsere Sachen in
der Schule deponiert und gefrühstückt hatten, folgte eine Begrüßung durch den
Direktor unserer Partnerschule, der Jana
Pawła II.
Anschließend lernten wir bei
einigen Kennenlernspielen wichtige polnische Wörter für die Begrüßung und
Ähnliches und bekamen eine Führung durch die Schule, die uns beeindruckte, da vieles
so anders als bei uns ist.
Nach einer ersten Rundfahrt
durch die Stadt und einem gemeinsamen Mittagessen kam der spannende Moment –
wir lernten die Familien unserer Austauschschüler und unser neues Zuhause kennen,
in dem wir eine Woche verbringen würden.
Am nächsten Tag stand dann eine
Fahrt nach Torun auf dem Programm, wo wir die Altstadt besichtigten, uns in
einer Trampolinhalle austobten und im Lebkuchenhaus lernten, wie Lebkuchen
gemacht wird. Hierbei konnten wir auch eigene Erfahrungen als Lebkuchenbäcker
machen. Den Abend verbrachten wir in unseren neuen Familien.
Am Mittwochmorgen hieß es sehr
früh aufstehen, da eine Fahrt nach
Danzig anstand. Bei der
Besichtigung der wunderschönen Altstadt beeindruckte uns vor allem der Neptunbrunnen.
Nach etwas Freizeit, in der wir mit unseren Partnern durch die Stadt
bummelten, fuhren wir in den alten
Badeort Sopot. Am Meer war eine tolle Atmosphäre und die kühle Seeluft war eine
willkommene Abwechslung zu den fast 30 Grad, die uns den Rest der Woche
begleiteten.
Donnerstag war dann schon unser
letzter gemeinsamer Tag. Nach weiteren Spielen zur Intensivierung des
Zusammenhalts erstellten wir ein Modell aus Knete zu der Aktion, die uns in der
Austauschwoche am besten gefallen hat. Anschließend fuhren wir zum See, um in
der Sonne zu liegen oder zu schwimmen und abends verbrachten wir einen letzten
Abend in unserer Gastfamilie.
Am Freitagmorgen trafen wir uns
schon um halb sieben, um die Rückfahrt anzutreten. Die Verabschiedung von unseren neuen Freunden war
sehr herzlich und es flossen auch einige Tränen. Aber bald gibt es ja schon ein
Wiedersehen, denn im September kommen unsere polnischen Austauschschüler nach
Gütersloh.
Die Woche war spannend und es
hat uns gut gefallen, die neue Kultur
kennen zu lernen und so ganz nebenbei auch noch unser Englisch zu verbessern.
Fridays for future – die Freitagsdemonstrationen gegen den
Klimawandel werden in der letzten Zeit kontrovers diskutiert. Doch was steckt
dahinter?
Gründerin der „Friday for Future“ – Bewegung ist die 16-jährige Schwedin Greta Thurnberg,
die ein Zeichen setzen wollte, nachdem die Temperaturen im letzten Sommer auch
in Schweden so extrem hoch waren.
Nachdem die Schule wieder angefangen hatte, setzte sie sich
jeden Freitag vor das schwedische Parlament, statt in den Unterricht zu gehen.
Als Begründung für ihren Streik sagte sie sinngemäß: „Warum sollte ich für eine
Zukunft lernen, die es nicht geben wird, wenn niemand irgendwas tut, um diese
Zukunft zu retten“.
Diese Aktion war der Auslöser für einen Schulstreik für den Klimaschutz, einen Streik der Generation, die später die Folgen des Klimawandels ertragen muss. Thurnbergs Aktion ging weltweit durch die Medien und kurz darauf begannen Jugendliche in vielen Ländern rund um die Welt zu streiken: in Australien, England, den USA, Belgien, den Niederlanden, Finnland, Dänemark, Japan, Schweiz und auch bei uns in Deutschland.
Einen ersten großen Streik gab es am 18. Januar. Allein in Schweden und Deutschland nahmen 45.000 Schüler daran teil. An diesem Tag waren auch SchülerInnen unserer Schule beim Protest in Bielefeld und protestierten für den Kohleausstieg und für ein Handeln der Regierung im Zusammenhang mit dem Klimaschutz. Ein weiteres wichtiges Datum war der 15. März. Weltweit blieben SchülerInnen dem Unterricht fern. Insgesamt beteiligten sich 300.000 Schüler, Studenten und Azubis an der Bewegung und auch bei uns in Gütersloh wurde von Jugendlichen eine Demonstration organisiert.
Von 12 bis 14 Uhr ging es auf dem Berliner Platz hoch her.
Unter dem Motto „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut“ demonstrierten mehrere hundert Jugendliche für
den Klimaschutz. Am „Open Mic“ wurden spontane Reden gehalten sowie Gedichte
und Poetry Slams vorgetragen. Dank des guten Programms und der Musik war die
Stimmung trotz des schlechten Wetters extrem gut und die Aktion wird von
verschiedenen Seiten als voller Erfolg gewertet.
Die Bewegung und die Proteste sind noch lange nicht vorbei
und solange sich in der Politik nichts ändert, werden wir Schüler weiterhin streiken. Greta Thurnberg
ist mit dem, was sie weltweit ausgelöst hat, ein gutes Beispiel dafür, dass man
nie zu klein ist, um etwas zu bewegen.
Zu Beginn des neuen Jahres konnte man im Radio und in der
Zeitung häufig das Wort „Vesperkirche“ hören. Aber was genau ist denn die
Vesperkirche? In Gütersloh gibt es doch keine Kirche mit diesem Namen, oder
doch?
„Vesperkirche“ ist
nicht die Bezeichnung einer Kirche, sondern die eines Projektes, welches
ursprünglich aus dem süddeutschen Raum stammt. In Gütersloh findet die
Vesperkirche immer in der Martin-Luther-Kirche statt und es ist die erste außerhalb
Süddeutschlands.
Das Konzept des Projektes ist einfach. Es wird ein kostenloses
Mittagessen verteilt und in der Kirche gemeinsam gegessen, um ein Zeichen gegen
die immer größer werdende Schere zwischen arm und reich innerhalb der
Gesellschaft zu setzen.
Außerdem soll gezeigt werden, dass die Angebote innerhalb
der Kirche vielfältig sein können, genauso wie ihre Besucher. In Gütersloh wird
das Projekt von der evangelischen Kirchengemeinde auf die Beine gestellt und in
diesem Jahr fand es vom 27.01. bis zum
10.02. statt. An diesen 15 Tagen waren
insgesamt 600 ehrenamtlicher Helfer vor Ort, die die 300 Gäste pro Tag
bewirteten und versorgten.
Auch Schülerinnen und Schüler unserer Schule waren an einem
Tag als Helfer in der Vesperkirche. Sie erlebten dieses Projekt trotz der
anstrengenden Arbeit – sie mussten zum Beispiel bedienen, aufräumen, Essen
austeilen – als etwas ganz Besonderes,
da die Atmosphäre in der Kirche einzigartig war.
Nur noch selten kann man es heutzutage erleben, dass sich Menschen,
die nicht unterschiedlicher sein können, zusammenfinden und etwas Gemeinsames
machen. Denn unter den Besuchern waren die verschiedensten Menschen, von jung
bis alt, von arm bis reich und aus den unterschiedlichsten Nationalitäten vertreten –
alle mit dem gleichen Ziel, nämlich gemeinsam zu essen.
Neben dem gemeinschaftlichen Mittagessen gab es außerdem
noch musikalische Programmpunkte sowie Kleinkunstveranstaltungen und es waren
Seelsorger und Berater vor Ort.
Wir sind froh, dass wir an diesem Projekt teilnehmen konnten
und hoffen, dass es die Vesperkirche auch in den nächsten Jahren noch gibt.
Gleich zu
Beginn des neuen Jahres, am 12. Januar, fand eine „Zukunftswerkstatt“ in der Anne-Frank-Schule
statt.
Schüler,
Eltern und Lehrer trafen sich um 9:30 Uhr im Forum, um darüber nachzudenken und
zu sprechen, wie wir unsere Schule verändern können. Moderiert wurde die
Veranstaltung von Nils Beckmann, Martina Böttcher und Bernhard Eickenberg.
Nach dem ersten
Programmpunkt, dem „Warming up und Einstieg“, waren alle wach und die erste
Arbeitsphase startete. Unsere Aufgabe war es zu überlegen, wie ein Tag an der
AFS im Jahr 2025 aussehen könnte.
Dabei sollte
in drei verschiedenen Schritten vorgegangen werden, genauso wie Walt Disney es
gemacht hat, als er seine Visionen umgesetzt hat. Zuerst haben die Gruppen aus
der Sicht eines Träumers aufgeschrieben, wie sie sich ihre Traumschule
vorstellen. Hier waren keine Grenzen gesetzt, so dass von einem eigenen Schulrestaurant
bis hin zu einem Schulstreichelzoo alle Ideen aufgeschrieben wurden.
Im zweiten
Schritt wurde mit den Augen des Kritikers auf die zuvor entwickelte Vision
geschaut. Unrealistische Vorstellungen wurden nun verändert, um sie umsetzbar
zu machen, oder wurden ganz gestrichen.
Im letzten
Schritt ging es um die realistische Umsetzung. Hierbei wurden die Ergebnisse aus
den ersten beiden Schritten mit der jetzigen Situation an der AFS verglichen
und es wurde überlegt, wie mithilfe der vorhandenen Mittel die Ideen so ausgebaut
oder entwickelt werden können, dass sie umsetzbar sind.
Am Ende der
Arbeitsphase hatte jede Gruppe ein Konzept zu der Frage entwickelt, wie die
Anne-Frank-Schule im Jahr 2025 aussehen könnte. Einige dieser Ergebnisse könnt
ihr auf den Fotos in diesem Artikel sehen.
In der
zweiten Arbeitsphase ging es um eine konkrete Weiterentwicklung der Ideen. Die
einzelnen Gruppen sollten sich aus ihrem zuvor entworfenen Plan einen Aspekt
heraussuchen und diesen weiterentwickeln.
Insgesamt
ließen sich zum Ende der Veranstaltung viele Ähnlichkeiten bei den Ergebnissen
feststellen, was zeigte, dass es viele gemeinsame Vorstellungen bei den
Teilnehmern gibt im Hinblick auf die Frage, wie sich unsere Schule entwickeln
kann.
Und einig
waren sich die Teilnehmer auch in der Einschätzung, dass es eine erfolgreiche
Veranstaltung war.
Kurz vor den Weihnachtsferien haben wir wieder eine neue Ausgabe der Virus für euch, um euch die Ferien zu versüßen.
Unser cooles Cover wurde passend zu einem Bericht über den Hambacher Forst von einer unser Redakteurinnen selbst gemalt. Weitere Themen sind die Feierlichkeiten zum Ende des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren, die Fahrt des „European Studies“ – Kurses nach Brüssel, die Roberta-AG, ein Auslandsaufenthalt in Australien, die aktuelle Formel Eins Saison, das Leben als Transgender und vieles mehr.
Außerdem erfahrt ihr, was in der SV zur Zeit passiert, bekommt wieder einen Buchtipp und natürlich fehlt auch nicht der Psychotest. Dieses Mal könnt ihr herausfinden, ob ihr ein guter Lehrer wäret oder nicht.
Wir wünschen euch weiße Weihnachten und schöne Ferien!
Viel Spaß beim Lesen!
Eure Virusredaktion