Demokratiefest âGeneration Germanyâ in Berlin – SchĂŒler*innen der AFS on Tour
Demokratiefestival – was soll das denn sein?
ZugegebenermaĂen war die Skepsis sehr groĂ, als Anfang Februar mehrere SchĂŒler*innen der Qualifikationsphase 2 ihre Einladung zum Demokratiefestival in Berlin ihrer Jahrgangsleitung vorlegten und eine Beurlaubung beantragten. Eine kurze Recherche im Internet und ein informativer Anruf konnten alle Zweifel an dieser Veranstaltung beseitigen und es stand fest: Dies ist eine einmalige Gelegenheit fĂŒr unsere SchĂŒlerinnen und SchĂŒler, Demokratie hautnah mitzuerleben und scheinbar unnahbare Politiker*innen hautnah zu erleben. Allerdings hatten unsere SchĂŒler*innen eine Mission: Sie sollten als Botschafter*innen der Anne-Frank-Schule viele Momente der Veranstaltung in Wort und Schrift einfangen und unser Schullogo nicht nur in ihrem Herzen, sondern auch in die Welt tragen đ
Anbei verschiedene Berichte der SchĂŒler*innen …
– Amer
– AlexandraÂ
– Nadja
– Akadia
– Alex
– Elisabeth
– Maher
– Wisam
Aus dem Tagesspiegel:
âDie Vorsitzenden von SPD, CDU, GrĂŒnen und FDP diskutieren mit Jugendlichen ĂŒber Gerechtigkeitsfragen. Doch es bleibt bei ausweichenden Politikerantworten.â
âManchmal schaffen es Kinder, Politikern Antworten zu entlocken, die selbst gestandene Journalisten nicht aus ihnen herausbekommen. Fast legendĂ€r ist das Interview mit dem damaligen CDU-Kanzlerkandidaten Armin Laschet, der sich von den elfjĂ€hrigen Kinderreportern Pauline und Romeo in die Enge treiben lieĂ.
Frage an FDP-Chef Christian Lindner: Sind Kinder die besseren Fragesteller? âJa, sie haben eine natĂŒrliche Neugier und Unvoreingenommenheit. Wenn Kinder das GefĂŒhl haben, dass von oben herab gesprochen wird und sie nicht ernst genommen werden, dann spĂŒren sie das.â
Lindner bahnt sich am Freitagnachmittag seinen Weg durch die Menge im Hotel Estrel in Neukölln. Auf einem Podium soll er mit der SPD-Vorsitzenden Saskia Esken und Jugendlichen aus ganz Deutschland ĂŒber Gerechtigkeitsfragen diskutieren. AuĂerdem geladen sind die GrĂŒnen-Vorsitzende Ricarda Lang und der Abgeordnete Andreas Jung (CDU), der kurzfristig fĂŒr seinen Parteichef Friedrich Merz einspringen musste.
Bei dem dreitĂ€gigen Demokratiefestival âGeneration Germanyâ kommen 300 reprĂ€sentativ ausgewĂ€hlte Jugendliche zwischen 16 und 24 Jahren aus ganz Deutschland zusammen, um ĂŒber Gerechtigkeits-Fragen zu diskutieren. Das Projekt wird von einem Marktforschungsinstitut begleitet und die Ergebnisse in einer Studie verwertet.
NervositÀt bei Esken und Lindner
Am Freitagnachmittag prĂ€sentieren die Jugendlichen ihre Ergebnisse aus den vorherigen Workshops, die geladenen Politiker sollen sich dazu Ă€uĂern. Auf einem der Podien sitzen Lindner und Esken, beide wirken erstaunlich nervös. Vielleicht denken sie an Armin Laschet und das verpatzte Interview.
Esken zupft an ihrem Jacket, Lindner taxiert das Publikum. âGespannte Stilleâ, kommentiert er den wartenden Raum. Die Moderatoren sind noch nicht da, da kommt eine Frage aus dem Publikum. âHerr Lindner, Sie haben mal gesagt, dass Sie zu Oliver Welke in die âheute-showâ gehen. Wann machen Sie das?â Lindner muss kurz ĂŒberlegen. âEr hat nie wieder gefragt.â
Dann aber geht es los, erster Diskussionspunkt: Gendergerechtigkeit. Die Jugendlichen sprechen sich dafĂŒr aus, dass die Aufteilung von Care-Arbeit eine private Entscheidung bleiben muss. Lindner wĂ€hnt sich zufrieden unter potenziellen FDP-WĂ€hlern, dann aber wird es konkret. Die Jugendlichen stellen ihre Forderungen vor: bedingungsloses Grundeinkommen, Abschaffung des Ehegattensplittings, Kindergelderhöhung. Lindner und Esken klatschen höflich. Dann sind sie dran â und geben standardmĂ€Ăige Politikerantworten. Esken lobt die Jugendlichen ĂŒberschwĂ€nglich. âGroĂartig!â ruft sie. âIhr habt alles bedacht.â
Beim Thema Klimagerechtigkeit beginnen die Sticheleien gegen Lindner. âVielleicht ist es nicht so gut, Porsche zu fahrenâ, sagt einer der Jugendlichen. Der Saal lacht, Lindner zeigt sich ungerĂŒhrt. SpĂ€ter fordert einer, die Steuern fĂŒr âSuperreiche, die mehrere Autos besitzenâ, zu erhöhen. Da kann sich auch Lindner ein Grinsen nicht mehr verkneifen, die Jugendlichen ohnehin nicht.
Esken und Lindner berichten sodann, was ihre Parteien jeweils alles tĂ€ten, um den Klimawandel zu bekĂ€mpfen: LadesĂ€uleninfrastruktur, Gaskraftwerke, GĂ€hn. FĂŒr die FDP, ganz klar, muss das Stichwort Technologieoffenheit fallen. âWerdet Ingenieure!â ruft Lindner den Jugendlichen zu.
EnttÀuschende Antworten
Ăhnlich wenig ĂŒberraschende SĂ€tze fallen ein Stockwerk höher. Hier hören sich Ricarda Lang und Andreas Jung geduldig die AusfĂŒhrungen der Jugendlichen an und beantworten ihre Fragen. Beide fordern ein gut ausgebautes Nahverkehrsnetz und ernten dafĂŒr Applaus. Konfrontativ wird es auch hier nicht. Eine SchĂŒlerin fragt die Politiker, ob sie fĂŒr die EinfĂŒhrung eines muslimischen Feiertags sind. Beide zeigen sich skeptisch âAber mehr Sichtbarkeit, mehr Beteiligung finde ich wichtigâ, sagt Lang. Jung verweist auf die Religionsfreiheit im Grundgesetz und erzĂ€hlt vom Andachtsraum im Bundestag.
Welcher Politiker hat die Jugendlichen am meisten ĂŒberzeugt? âWenn man den Politikern Fragen gestellt hat, haben sie die einfach nicht beantwortetâ, beschwert sich die 19-jĂ€hrige SchĂŒlerin Alara aus Bocholt. âDas hat mich genervt.â
Ihre Freundin Layla, ebenfalls 19 und aus Duisburg, nickt. âDie wollten nur die Zustimmung von dem Publikum. Deswegen haben sie nicht richtig geantwortetâ, meint sie. Fazit: Auch Jugendliche und Kinder können Profi-Politikern nicht unbedingt etwas entlocken. Aber tĂ€uschen darĂŒber lassen auch sie sich nicht.â
Aus: https://www.tagesspiegel.de/politik/demokratiefest-generation-germany-sind-kinder-die-besseren-fragesteller-herr-lindner-11375305.html, 15.03.2024, Titel oben verÀndert.
Fotos und Videos: SchĂŒler*innen der AFS.









