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Herr Witteborg, wie schätzen Sie denn die derzeitige Situation um die Flüchtlinge in Gütersloh ein?

Wie wir ja mittlerweile alle wissen, hat uns die Stadt Gütersloh mitgeteilt, dass unsere Schule neben der Janusz-Korczak-Schule zur Unterbringung von Flüchtlingen vorgesehen ist.
Wir haben immer gesagt, dass Schule nicht ein geeigneter Raum zur Unterbringung von Flüchtlingen ist.
Aber wir haben auch gesagt, wenn draußen vor der Tür Menschen stehen, die vor Krieg und Gewalt geflüchtet sind und kein Dach über den Kopf haben, dann vernageln wir nicht unsere Tür. Dieses hat auch die Schulkonferenz unserer Schule so beschlossen.

Wie wird denn der Sportunterricht zukünftig organisiert werden, wenn tatsächlich unsere Sporthalle für die Unterbringung für Flüchtlinge von der Stadt benötigt werden sollte?

Die Sporthalle ist momentan im Blick der Stadt. Da haben wir für den Fall der Fälle schon vieles geregelt, falls es tatsächlich zu einer Belegung kommt. Der Sportunterricht wird zu großen Teilen in einer Sporthalle des Städtischen Gymnasiums stattfinden. Die Schulen in der Innenstadt sind bereit gewesen, ihren Sportunterricht zu kürzen, so dass wir die Sporthalle komplett zur Verfügung haben werden. Wir werden dann in einem Pendelbus mit den einzelnen Klassen dort hinfahren.

Welche weiteren Auswirkungen wird es für die Schule geben, zum Beispiel auf dem Schulhof oder in der Mensa?

Die Mensa wird nach meinem Kenntnisstand davon nicht betroffen sein. Die Verpflegung der Flüchtlinge, die in der Sporthalle leben, findet an einer anderen Stelle statt. Das ist auch bei den anderen betroffenen Sporthallen bisher so gewesen.
Wir wissen, dass die Sporthalle ja direkt auf dem Schulgelände liegt. Die Frage, wie dort die Abläufe organisiert werden können, werden wir mit der Stadt genau besprechen.

Wissen Sie etwas über die Dauer des Aufenthaltes?
Nicht genau, aber die Stadt hat bisher gesagt, dass wir, wenn es zu einer Belegung kommt, den Herbstbeginn beziehungsweise vielleicht eine Zeit bis November vorsehen müssen.

Wie können wir Schüler und Schülerinnen auf den Aufenthalt der Flüchtlinge vorbereitet werden?

Das ist eine ganz wichtige und mitentscheidende Frage: Wie bereiten wir uns alle darauf vor? Zurzeit bilden wir eine Arbeitsgruppe aus Lehrkräften, aus Schülerinnen und Schülern aus der SV und auch aus der Elternvertretung. Diese Arbeitsgruppe soll dann gemeinsam einen Plan erstellen, wie wir uns auf diesen Aufenthalt vorbereiten können und Konzepte für den gemeinsamen Umgang miteinander entwickeln und diese dann auch umsetzen.
Aber ganz konkret kann man ja auch sagen, es werden nicht 120 Flüchtlinge auf einmal in die Sporthalle ziehen. Da wird es wichtig sein, gleich zu den ersten von ihnen Kontakt aufzunehmen, sie z.B. in den Unterricht einzuladen, um mit ihnen über die beidseitigen Interessen ins Gespräch zu kommen.
Von ihrem Leben und ihren Schicksalen zu erfahren, wird ein persönliches Kennenlernen erleichtern und beiden Seiten die Chance geben, gut miteinander umzugehen.

Wie können denn wir Schüler und Eltern weiterhin eingebunden werden?
Ich denke, dass wir wirklich versuchen müssen, gemeinsam einen Plan zu entwickeln und dann auch schauen müssen, was wir in den einzelnen Klassen tun können. Wir müssen uns zum Beispiel fragen, ob Menschen, die dort untergebracht sind, bestimmte Hilfen brauchen, z.B. Kleidungsstücke oder Sachen des täglichen Bedarfs. Oder uns die Frage stellen, ob bestimmte Hilfen von einer Klasse organisiert werden können?
Vielleicht können wir zum Beispiel die Flüchtlinge bei Behördengängen, Arztbesuchen, Einkäufen oder der Kinderbetreuung unterstützen, ihnen die Stadt zeigen oder Ähnliches.
können sie auch zu gemeinsamen Aktivitäten einladen, mit ihnen Sport treiben oder gemeinsam unsere Schulküchen nutzen, um miteinander zu kochen?

Sehen Sie den Aufenthalt der Flüchtlinge auch als Bereicherung für uns Schüler?

Ja, ich denke, der Aufenthalt kann wirklich zu einer Bereicherung werden. Dieses ist sicherlich davon abhängig, wie beide Seiten letztendlich zueinander finden. Andere Kulturen kennenzulernen, ist immer eine Bereicherung und insofern kann dies eben auch einen sehr positiven Effekt für uns haben. Dazu gehört auch, dass wir über unsere gegenseitigen Erwartungen sprechen sollten.

Vielen Dank Herr Witteborg