„Zero waste“ – Trend oder Lebensphilosophie?

Einige von euch haben vielleicht schon einmal von der Zero-Waste-Bewegung gehört. Momentan ist diese Form des Umweltschutzes ziemlich populär und viele Blogger und Youtuber im Internet prahlen dort mit ihren Marmeladengläsern, in denen sie den Müll eines ganzen Jahres unterbringen können. Doch wie funktioniert das Ganze überhaupt?

Erst einmal ist es wichtig, zu wissen, was es überhaupt heißt, „zero waste“ zu leben. Wörtlich übersetzt bedeutet es „null Müll“, also keinen Müll zu produzieren. Vor allem geht es hierbei um Plastikmüll und um Gegenstände, die nur einmal oder wenige Male gebraucht werden können und dann weggeworfen werden.

So etwas gilt es zu vermeiden, stattdessen soll auf langlebige Produkte umgestiegen werden, die am besten ein Leben lang halten. Ein Beispiel hierfür ist, dass man  zum Einkaufen einfach eine Stofftasche o.Ä.  verwendet, anstatt einer Plastiktüte, die schnell reißt und demnach nicht lange hält.

Wenn man die oben beschriebenen Beiträge im Internet sieht, scheint dieser Trend doch sehr extrem zu sein. Aber ganz so krass ist es dann doch nicht, es sei denn, man bewegt sich in einer Art „Profiliga“. Die Entscheidung, ohne Müll zu leben, sollte nicht sofort und radikal durchgezogen werden, sondern langsam, aber stetig. Ansonsten kommt es schnell zu Überforderungen und Demotivation, da man tatsächlich viel an seinem Lebensstil ändern muss, um sich auf seine „Zero-Waste-Reise“ zu begeben. Das Motto ist also zunächst einmal: So wenig Müll wie nötig.

Außerdem ist das müllfreie Leben nicht einfach nur ein Trend, den man eine Zeitlang mal ganz toll findet, vielmehr ist es wirklich eine völlige Umstellung des eigenen Alltags.

Doch was bringt es überhaupt, ohne Müll beziehungsweise müllreduziert zu leben?

So wenig Müll wie möglich zu produzieren hat viele Vorteile. Zum einen kannst du so deinen Teil zum Umweltschutz beitragen. Wie du vielleicht schon des Öfteren gehört hast,  werden unsere Ozeane und Meere mit Plastikmüll geradezu überschwemmt. Bilder von gigantischen Bergen aus Müll, Schildkröten, die sich in Plastikmüll verfangen und sterben, oder Vögel und Fische, die mit  Mägen voll von Plastik vorgefunden werden, sind leider die traurige Realität. Wenn sich diese Unmengen an Müll vermeiden oder zumindest reduzieren ließen, wäre unsere Welt schon einmal einen Schritt weiter.

Darüber hinaus ist Plastik meistens schlecht für unsere eigene Gesundheit, denn Weichmacher und Mikroplastik lagern sich in unserem Körper ab und schaden ihm.
Außerdem schont diese Art zu leben – bei guter Planung und Organisation – den Geldbeutel. Denn wer sich stets eigene Beutel zum Einkaufen mitnimmt, statt Tüten zu kaufen, oder auf Fastfood und Ähnliches verzichtet, um den dabei entstehenden Müll zu vermeiden, spart einiges an Geld.

Aber wie genau kannst du denn Plastik und überhaupt so viel Müll wie möglich vermeiden?

Als Einsteiger ist es für dich am simpelsten, erst einmal zu überprüfen, in welchen Lebenssituationen und Bereichen du am meisten Müll erzeugst. Dann kannst du Überlegungen anstellen, wie du diesen am besten vermeidest. Es fängt zum Beispiel schon beim Schulbrot an: Du kannst einfach eine Brotdose verwenden, statt jeden Tag eine neue Tüte zu nehmen, die du danach wegwirfst.

Hier sind 10 Tipps, für den Fall, dass du dich an dem Zero-Waste-Lifestyle versuchen willst:

  1. Statt Plastiktüten lieber Stoffbeutel oder Einkaufskörbe nehmen.
  2. Brotdosen Anstelle von unnötigem Verpackungsmaterial verwenden.
  3. Glasflaschen/ Edelstahlflaschen statt Plastikflaschen benutzen, denn Recycling ist zwar besser als das Wegwerfen von Plastikflaschen, es kostet aber auch viele Arbeitsschritte und bedarf eines hohen Aufwands, bis eine Plastikflasche endlich recycled ist.
  4. 4. Duschgels und Shampoos sind nicht nur teuer, sondern auch immer in Plastikgefäßen untergebracht. Das kannst du vermeiden, indem du dir anstatt des Duschgels Seifenstücke kaufst. Hier nimmst du am besten Naturseifen. Diese kannst du entweder im Internet bestellen oder im Reformhaus beziehungsweise im nächsten Bioladen kaufen.
  5. Statt einer herkömmlichen Plastikzahnbürste kannst du dir eine Bambuszahnbürste zulegen. Diese sind umweltfreundlich, weil Bambus ein sehr schnell nachwachsender Rohstoff und biologisch abbaubar ist. Wenn du deine Bambuszahnbürste also nicht mehr brauchst, kannst du sie einfach im Biomüll oder auf dem Kompost entsorgen.
  6. Verzichte, wenn du außerhalb essen gehst, möglichst auf Strohhalme, Servietten oder Plastikbesteck. Am besten nimmst du dir einfach dein Besteck selber mit. Vermeide ebenfalls Fastfood, denn dabei entsteht besonders viel Verpackungsmüll.
  7. Deodorants aus der Sprühdose sind ebenfalls eine Ursache für die Entstehung von Müllbergen. Stattdessen kannst du dir Deocremes oder Sprühdeos in der Glasflasche kaufen. Diese Deocremes halten meistens ein Jahr und kommen in kleine Metalldosen. Ebenfalls enthalten sie keine Aluminumsalze, was wiederum gut für deine Gesundheit ist. Auch entfällt der feine Sprühnebel, von dem viele ein Kratzen im Hals oder Husten bekommen.
  8. Anstelle von Wattepads, die du nach einmaligem Benutzen wegwerfen musst, kannst du Stoffwattepads benutzen, die du dann einfach in die Waschmaschine steckst.
  9. Wenn du beim Einkaufen auf Produkte verzichten möchtest, die in Plastik verpackt sind, kannst du stattdessen Obst und Gemüse frisch kaufen, am besten in Bauernhofläden und in Bioläden. (Von denen haben wir sogar einen großen in der Innenstadt!) Ansonsten versuche einfach möglichst viele Produkte unverpackt oder im Glas zu kaufen. Diese Gläser kannst du dann wiederverwerten, zum Beispiel zum Einkochen von Marmelade.
  10. Fleisch, Eier und Käse kannst du ebenfalls unverpackt und frisch (!) in Bauernhofläden kaufen und somit gleichzeitig hochwertiges und gutes Fleisch genießen.

Alle oben genannten Tipps sind von mir für dich getestet worden, da ich selbst schon seit längerem auf meiner „Zero-Waste-Reise“ unterwegs bin. Vielleicht hast du ja Lust den einen oder anderen Tipp auszuprobieren. Deine Gesundheit und die Umwelt werden es dir auf jeden Fall danken!

 

Paula Hirsch, Jg. 12