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Was fällt dir als erstes ein, wenn du hörst, dass jemand an Depressionen leidet? Vielleicht denkst du, dass diese Menschen nur übertreiben und nach Aufmerksamkeit suchen. Solltest du solche Gedanken haben,  liegt das vermutlich daran, dass du nicht richtig über die Krankheit informiert bist. Und warum ist das so? Weil sie in unserer Gesellschaft ein Tabuthema ist.

Das Wort „Depressionen“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „niederdrücken“.  Depressionen sind eine psychische Krankheit, die du dir im Vergleich mit einer schweren Erkältungskrankheit so vorstellen kann: Zuerst geht es dir ein bisschen schlecht. Du erkennst Anzeichen eines Schnupfens. In der nächsten Stufe sind weitere Symptome zu erkennen wie z.B. Husten. Bald geht es dir immer schlechter und du bekommst heftigere gesundheitliche Beeinträchtigungen wie bei einer Grippe. Und wenn du dann immer noch nicht auf deine Symptome eingehst, ist die Lungenentzündung nicht mehr weit entfernt.

Der beschriebene Verlauf lässt sich mit der Entwicklung einer Depression vergleichen. Deshalb hat auch nicht jeder, dem es vielleicht einmal nicht so gut geht, eine Depression. Oft ist es schwierig, zwischen Traurigkeit, Einsamkeit, Unwohlsein und Depression zu unterscheiden. Daher diagnostizieren sich viele selbst zu voreilig entweder als depressiv oder einfach nur als „etwas schlecht drauf“  und liegen damit häufig falsch.

Wenn es dir über einen längeren Zeitraum schlecht geht, solltest du handeln und  professionelle Hilfe aufsuchen. Denn nur Fachleute können feststellen, ob du wirklich an einer Depression erkrankt bist. Um diese Krankheit diagnostizieren zu können, muss eine bestimmte Anzahl an Symptomen über einen gewissen Zeitraum bestehen.

Doch welche Beschwerden können die Symptome einer Depression sein? Menschen mit dieser Krankheit fühlen sich häufig bedrückt, grübeln viel und hängen oft in einer Denkschleife fest. Sie fühlen sich oft antriebslos und ihre Leistungsfähigkeit ist beschränkt. Sie verspüren Trauer sowie Einsamkeit und sind oft sauer und wütend auf sich oder andere, denn zu viel Trauer löst einen Schutzmechanismus im Körper aus, der die Trauer in Wut umwandelt.  Ansonsten könnte die Traurigkeit zu Hilflosigkeit führen und das ist auf Dauer untragbar für das seelische Wohlbefinden.

Von dieser Krankheit Betroffene denken häufig anders als Nichterkrankte, weshalb Therapeuten oft von einem  „Denkfehler“  im Zusammenhang mit Depressionen sprechen. So sieht der Betroffene sich selbst oft als Verursacher negativer Ereignisse.  Viele scheuen sich aber trotz ihres schlechten Befindens professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, denn in unsere heutigen Wettbewerbsgesellschaft ist es schwer, sich eine Depression einzugestehen, z.B. weil man sich den Mitmenschen gegenüber minderwertig fühlt. Dies führt allerdings zu Stress, der wiederum zu stärkeren Depressionen führen kann.

Doch warum bekommt man Depressionen?  Diese Frage ist kaum zu beantworten, da die Ursachen der Krankheit vielfältig sind. Eine Depression  muss nicht immer mit einer traumatischen Kindheit oder mit einem Schicksalsschlag in Verbindung stehen. Auch das wohlhabendste und wohlbehütetste  Kind kann aus den verschiedensten Gründen erkranken.

Wichtig ist zu akzeptieren, dass eine Depression  eine Krankheit ist wie jede andere auch. 5,3 Millionen Deutsche sind an ihr erkrankt, wobei nur ein Drittel von ihnen professionelle Hilfe erhält.

Leider führen Unwissenheit und Vorurteile dazu, dass wir diese Krankheit häufig nicht akzeptieren und die Betroffenen manchmal belächeln. Aber es ist  wichtig, jederzeit respektvoll und verständnisvoll mit jedem Menschen umzugehen. Denn jeder trägt sein Päckchen.

Ich finde es nicht richtig, dass viele Menschen die Krankheit abwerten mit Aussagen wie „Probleme habe ich auch, aber ich habe noch lange keine Depression“, „Es ist persönliches und schuldhaftes Versagen und keine Erkrankung“ oder „Sie/Er hat doch alles, was man sich wünschen kann“, denn  solche Äußerungen sind respektlos und wenig empathisch. Allerdings glaube ich, dass Unwissenheit und Unsicherheit häufig die Ursache für solche Aussagen sind.

Außerdem kann ich kein Verständnis dafür aufbringen, wie mit Depressionen im alltäglichen Leben umgegangen wird. Ich finde es nämlich legitim, nicht nur bei körperlichen, sondern auch bei psychischen Beschwerden ein Treffen abzusagen, einfach mal zu Hause zu bleiben oder irgendwas einfach mal nicht hinzukriegen. Aber viele andere Menschen begegnen solchen Situationen mit wenig Verständnis. Dabei sollte die psychische  Gesundheit nicht weniger Aufmerksamkeit bekommen als die körperliche.

Mit Depressionen  umzugehen, ist nicht einfach, sowohl für die Betroffenen als auch für die Mitmenschen.  Denn diese können eben auch nur bis zu einem gewissen Punkt helfen. Daher rate ich euch einfach nur Verständnis aufzubringen und das Gefühlsleben eures Gegenübers zu akzeptieren. Vor allem solltet ihr niemanden in eine Schublade stecken, denn ihr könnt den meisten Menschen nur vor den Kopf gucken und wisst nicht, womit diese Person zu kämpfen hat.

Daher ist mein Anliegen an euch: Be kind!

Johanna Löhr, Jg. 10