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Daumen runter oder Daumen rauf: Die Mehrheit der Schüler der Klasse 6f der Anne-Frank-Gesamtschule in Gütersloh findet Atemschutzmasken im Unterricht nicht so toll. Bis zum 31. August sind sie allerdings verpflichtend.
Fotos: Lange, Niemeyer (2)

Erschienen im “Westfalenblatt” vom 13.08.2020. Von Dominik Lange und Lutz Niemeyer.

Gütersloh (WB). Man schwitzt damit, bekommt darunter schlecht Luft, und auch beim gegenseitigen Verstehen hapert es: Das Meinungsbild in der Klasse 6f der Anne-Frank-Gesamtschule ist eindeutig. Unterricht mit Atemschutzmaske — und das bei hochsommerlichen Temperaturen — ist kein Vergnügen. Einig sind sich die Schüler aber auch: Wenn es hilft, müssen sie da jetzt durch.
Der gestrige erste Schultag nach dem Ende der Sommerferien hat für die Kinder und Jugendlichen der weiterführenden Schulen in Gütersloh unter besonderen Vorzeichen gestanden: Sie müssen nun auch im Klassenraum eine Atemschutzmaske tragen. Vorerst bis zum 31. August gilt die Landesverordnung.

Stimmung wird nicht getrübt
An der Anne-Frank-Gesamtschule wird die Stimmung dadurch laut Schulleiter Jan Rüter nicht getrübt. „Sowohl Schüler als auch Lehrer freuen sich, wieder hier zu sein“, sagt er. Der erste Schultag steht vor allem im Zeichen der Organisation, in Corona-Zeiten mehr denn je. „Wo sind mein Eingang und mein Pausenbereich? Wie sind die Wege durch das Schulgebäude, etwa zu den Toiletten oder zum Kiosk?“, zählt Rüter wichtige Fragen auf. „Unser Konzept war wie in die Luft gemalt. Wir freuen uns, dass es funktioniert.“
Zwischendurch erhalten die Kinder und Jugendlichen die Gelegenheit, durchzuschnaufen. „Wir ermutigen die Lehrer zu individuellen Pausen. Dann gehen sie mit ihren Schülern nach draußen, setzen sich dort unter Einhaltung des Mindestabstands hin und können die Maske abnehmen“, sagt Gudrun Hönemann, stellvertretende Schulleiterin, und ergänzt: „Vieles lässt sich auch unter freiem Himmel besprechen.“

Hygieneregeln großgeschrieben
Großgeschrieben wird an der Gesamtschule die Einhaltung der Hygieneregeln. Dazu gehört das Waschen der Hände vor Unterrichtsbeginn und nach den großen Pausen. „Wir haben zusätzlich Desinfektionsspender an den Eingängen bereitgestellt“, berichtet Rüter.
Klar geregelt ist auch, dass Kinder, die in den vergangenen 14 Tagen aus einem Risikogebiet zurückgekehrt sind, einen negativen Corona-Test vorlegen müssen, um die Schule besuchen zu dürfen. „Das zu wo Prozent nachzuhalten, ist schwierig“, so Rüter. „Da müssen wir den Eltern vertrauen.“ Dies ist nur ein Aspekt eines Bogens zur Selbstverpflichtung, den die Erziehungsberechtigten unterschreiben müssen. Weitere Punkte: Der Schüler darf nur symptomfrei zur Schule und muss täglich eine saubere Mund-Nasen-Bedeckung dabeihaben. Sollte der Mundschutz fehlen, kann die Schule aushelfen. „Uns steht ein gewisses Kontingent zu Verfügung“, sagt Hönemann.
Wenn Lehrer den Mindestabstand von 1,5 Metern zu ihren Schülern einhalten, dürfen sie die Atemschutzmaske abnehmen. An der Anne-Frank-Gesamtschule verzichteten die Lehrkräfte auf diese Möglichkeit, sagt Schulleiter Jan Rüter. Zusammen mit seiner Stellvertreterin Gudrun Hönemann habe er am ersten Schultag jede einzelne Klasse besucht und diese Beobachtung gemacht. „Sie gehen als gutes Beispiel voran“, freut sich Rüter über das Engagement der Kollegen.
Nick Hagemeier und Lara Prüßner, Klassenlehrer der 6f, bestätigen dies. „Wir sehen das auch als Zeichen der Solidarität“, sagt Hagemeier. „Geteiltes Leid ist halbes Leid.“ Der Begriff „Leid“ trifft es ganz gut: „Mit einer Maske zu unterrichten, schlägt ganz schön auf die Stimme: Man muss viel lauter als sonst sprechen“, so Hagemeier.
Lara Prüßner bedauert, dass die Mimik, aus der sich auch der Gemütszustand der Kinder und Jugendlichen ablesen lässt, hinter der Maske verborgen bleibt. „Emotionen lassen sich nicht mehr so gut wahrnehmen.“ Daher sollten sich die Kinder melden, wenn ihnen mal schlecht oder schwindlig werde.

Keiner verweigert die Masken
Maskenverweigerer – sowohl unter den Schülern als auch unter den Lehrern – sind Schulleiter Rüter nicht bekannt. „Es ist ja auch verpflichtend“, unterstreicht er. Hönemann ergänzt, dass an die Schüler appelliert worden sei, auf das Tragen der Atemschutzmasken zu achten – auch wenn es eine zusätzliche Belastung darstelle. „Dies stärkt die Hoffnung auf die Rückkehr zur Normalität.“
Um 11.35 Uhr wird es voll auf dem Weg zur Grundschule Sundem. Dort wird das Tor am Schulhof zur Schleuse umgewandelt: Eltern müssen vor dem roten Stopp-Schild auf ihre Kinder warten. Die Schüler kommen, mit Maske vor dem Gesicht, über den Schulhof gelaufen. Die offensichtliche Frage: „Wie war der erste Tag nach den Ferien?“
Darauf hat der Nachwuchs verschiedene Antworten. Der sieben-jährige Ali findet: „Die Maske hat sehr gestört.“ Auch Viktoria (6) und Jeva (8) erzählen vom ersten Tag: „Es war schwieriger mit der Maske, aber es haben sich alle Schüler daran gehalten“, berichten die bei den Cousinen.

Start mit Maske: Die achtjährige Jeva empfindet es als warm, freut sich aber, dass sich alle an die Regeln halten.

Es sei unter den Masken allerdings schon sehr warm gewesen. Alle Kinder sind sich aber in einem Punkt einig: Es sei schön, dass die Schule wieder losgehe und man die Freunde wiedersehe.
Gemischte Gefühle gibt es auch bei den Eltern, die ihre Schützlinge abholen. Es sei viel zu warm für die Kinder, finden einige. Ob der Infektionsschutz gegeben sei, wenn die Kinder während des Unterrichts in den Räumen ohne Maske unterwegs seien, aber in den Pausen den Mund-Nase-Schutz trügen, stellen andere Eltern ebenfalls in Frage.
David Ferrier verweist aber auch auf den positiven Effekt des Schulstarts: „Als Eltern können wir wieder besser planen und wissen unsere Kinder gut betreut, wenn wir bei der Arbeit sind.“ Er gibt aber auch zu: „Es ist ein komisches Gefühl, meinen Sohn wieder zur Schule zu bringen.“

Eltern holen Kinder am Tor ab
Um Fragen der Eltern zu beantworten, kommen auch Lehrerinnen der Grundschule Sundem zum Tor, an dem die Eltern ihre Kinder abholen. Daniela Kube und Romana Natalie leiten zusammen eine zweite Klasse. Ihr Eindruck des ersten Tages: „Man musste die Kinder öfters an die Masken erinnern, es hat aber alles in allem gut funktioniert.“
Man habe den Kindern vor allem angemerkt, dass es ihnen guttue, in der Pause wieder im Klassenverbund miteinander spielen zu können, statt auf Abstand zu bleiben.
„Insgesamt kamen am ersten Schultag drei Kinder ohne Maske, die haben aber eine von uns bekommen“, informiert Schulleiterin Kirsten Farthmann.

Erfolgreicher Schulstart trotz Maskenpflicht: (v.l.) Natalie Rompa, Kirsten Farthmann (Schulleiterin) und Daniela Kube.