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Schüler*innen der Anne-Frank-Gesamtschule diskutieren mit Bundestagskandidat*innen digital über aktuelle Herausforderungen für Europa

Artikel von Michael Schüthuth

Was läuft gut in Europa? Was könnte besser laufen? Unter dieser Fragestellung fand in Kooperation mit der Volkshochschule bereits zum wiederholten Mal ein Europadialog in der Anne-Frank-Gesamtschule statt. Schüler*innen des 11. Jahrganges diskutierten untereinander und mit Politiker*innen verschiedener Parteien vor allem drei Fragen: Welche Rolle spielt Europa in meinem Alltag? Welche sind im europäischen Kontext zurzeit die größten Herausforderungen? Wie könnte eine Lösung dieser Probleme aussehen? Gefragt waren die persönlichen Ansichten, Wünsche, Ideen und Meinungen der Schüler*innen, aber auch ihre Bedenken und Sorgen. Das Besondere an dieser Veranstaltung: Sie musste erstmals vollständig online ablaufen.

Jan Rüter begrüßte alle Teilnehmer*innen und Henrike Dulisch organisierte den inhaltlichen Ablauf.

Die Gruppe der mitdiskutierenden Politiker*innen war dabei hochkarätig besetzt. Für Bündnis 90 / Die Grünen beteiligte sich Bundestagsdirektkandidat Sebastian Stölting an der Veranstaltung, die FDP war durch ihren Direktkandidaten Patrick Büker ebenso prominent vertreten. Direkt aus Berlin war Elvan Korkmaz zugeschaltet, die seit 2017 für die SPD einen Sitz im Bundestag hat. Wegen der parallel stattfindenden Bundestagssitzung konnte sie jedoch nicht durchgängig an der Veranstaltung teilnehmen. Sie wurde daher zeitweise von dem Juso-Kreisvorsitzenden Matthis Haverland vertreten. Birgit Ernst, die sich vor zwei Jahren für die CDU um einen Sitz im Europäischen Parlament beworben hatte, musste ihre Teilnahme kurzfristig absagen.

Dagmar Klein (Jahrgangsbetreuerin) und Michael Schüthuth (Koordinator für Gesellschaftswissenschaften).

„Wir brauchen eine der CO2-Steuer vergleichbare Abgabe für Plastikmüll. Wenn man dann noch die Menge an Plastikverpackungen, die ein Unternehmen produzieren darf, durch entsprechende Zertifikate begrenzt, dann ist ein wirksamer Schritt zur Vermeidung des Plastikmülls getan.“ Dies war nur ein Vorschlag, den Schüler*innen der Anne-Frank-Gesamtschule am vergangenen Donnerstag im Rahmen des in Kooperation mit der Volkshochschule veranstalteten Europadialogs machten, um den Klima- und Umweltschutz in Europa voranzutreiben. Derweil beschäftigten sich andere mit der wichtigen Frage, wie nach der Corona-Pandemie die Wirtschaft nachhaltig gefördert werden könne. Für sie stand völlig außer Frage, dass Unternehmen, die unter den Anti-Corona-Maßnahmen besonders gelitten haben, finanzielle Unterstützung erhalten müssten. Dies gelte auch und gerade für den Kulturbereich, dem die öffentliche Hand auch durch Initiierung und Ausrichtung eigens dazu ins Leben gerufener kultureller Veranstaltungen unter die Arme greifen solle. Im Bereich der Bildung mahnten die Jugendlichen bezahlbare Hardware für Kinder aus sozial schwächer gestellten Familien an. Es könne nicht sein, dass die individuellen Bildungschancen noch immer sehr stark davon abhängen, aus welcher gesellschaftlichen Schicht man stamme. Jeder dieser Vorschläge wurde zum Teil heftig unter den teilnehmenden Schüler*innen und auch mit den anwesenden Politiker*innen aus SPD, FDP und von Bündnis 90 / Die Grünen diskutiert.

Dr. Mariella Gronenthal moderierte die Konferenz.

Die Themen hatten die Jugendlichen dabei selbst gesetzt. Gespannt verfolgten die Schüler*innen, was die Teilnehmenden aus der Politik dazu zu sagen hatten. Dabei mussten sie feststellen, dass beispielsweise die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens von den Anwesenden zwar als interessant angesehen wurde, doch müsse es eher darum gehen, Arbeit so zu gestalten, dass man von ihr leben könne. „Es war sehr interessant und hat richtig Spaß gemacht, mit den Politikern zu diskutieren“ war das Fazit von Johanna Löhr zu der Diskussion.

Politiker*innen und Schüler*innen in der Online-Diskussion.

Viel Lob kam von den Politprofis für die engagierte Mitarbeit der Schüler*innen in den Diskussionsrunden. Diese wussten umgekehrt sehr zu schätzen, dass sie mit den prominenten Gästen auf Augenhöhe sprechen konnten. Manche hätten sich sogar noch mehr Zeit mit den Politiker*innen gewünscht. „Ich habe heute sehr viel über Politik gelernt“, so Linus Fortenbacher nach der Veranstaltung. „Vor allem aber hat mir gefallen, dass die Politiker*innen unsere Meinung sehr ernst genommen haben und sich ganz offensichtlich sehr für die Belange von uns Schüler*innen interessieren.“ Und Fawaz Othman sekundierte: „Ich fand sehr spannend, zu sehen, wie die Politiker*innen trotz Meinungsverschiedenheit in der Sache sehr wertschätzend miteinander umgegangen sind. Andererseits haben sie sich immer wieder auch gegenseitig Recht gegeben.“ Viele Schüler*innen gaben später an, nun viel besser zu wissen, wofür die einzelnen Parteien eigentlich einstünden.

Fabian Flöper, Dagmar Klein, Henrike Dulisch, Dr. Mariella Gronenthal und Michael Schüthuth organisierten das gemeinsame Bürgerforum anlässlich des Europatages.

Sicherlich nicht ungehört blieb das einmütige Plädoyer von Patrick Büker, Sebastian Stölting und Matthis Haverland ganz am Schluss: „Wahrscheinlich geht bei der kommenden Bundestagswahl noch niemand von euch wählen. Aber macht von dieser Chance Gebrauch, sobald ihr die Gelegenheit dazu habt. Dabei ist nicht wichtig, ob ihr eure Stimme nun der CDU oder der SPD, der FDP oder den Grünen gebt. Wichtig ist nur, dass ihr eine demokratische Partei wählt.“ Der Europadialog wurde im Rahmen einer sehr erfolgreichen Kooperation durchgeführt, die die Anne-Frank-Gesamtschule vor bereits vor drei Jahren Volkshochschule Gütersloh eingegangen ist. Moderiert und geleitet wurde die Veranstaltung ebenso kompetent wie engagiert von der stellvertretenden Leiterin der Volkshochschule, Dr. Mariella Gronenthal. Schon einmal vor zwei Jahren war ein ähnliches Bürgerforum durchgeführt worden. Neu aber war diesmal, dass wegen der Corona-Pandemie die komplette Veranstaltung online als Videokonferenz durchgeführt wurde. Auch die Politiker*innen waren per Videostream zugeschaltet. Die einzelnen Diskussionsrunden wurden in sogenannten Breakout Rooms durchgeführt. Alle Beteiligten waren gespannt, ob das wirklich funktionieren würde. Am Ende aber waren sie sich einig: Der technische Aufwand hatte sich gelohnt. Schon jetzt steht fest, dass es im nächsten Jahr wieder ein Europaforum geben soll, dann aber hoffentlich wieder in Präsenz.

Fotos: Fabian Flöper