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Ansprache „Hand in Hand für den Frieden“, 10. März 2022

Liebe Schulgemeinde,

Am 3. Mai 1944 schrieb unsere Namensgeberin Anne Frank, folgendes in ihr Tagebuch:

„Warum gibt es jeden Tag Millionen an Geld für den Krieg und keinen Cent für […] die armen Menschen? Warum müssen die Menschen Hunger leiden, wenn in anderen Teilen der Welt die überflüssige Nahrung wegfault? Oh, warum sind die Menschen so verrückt? Ich glaube nicht, dass der Krieg nur von den Großen, von den Regierenden und Kapitalisten gemacht wird. Nein, der kleine Mann ist ebenso dafür. Sonst hätten sich die Völker doch schon längst dagegen erhoben! Im Menschen ist nun mal ein Drang zur Vernichtung, ein Drang zum Totschlagen, zum Morden und Wüten.“

Dies gehört zu einem der pessimistischen Zitate, die Anne Frank in ihr Tagebuch schrieb. In Anbetracht der Erfahrungen, die sie machte und dem, was sie durchstehen musste, ist es nur verständlich, dass sie derart über die Menschheit dachte. Trotzdem war sie sich sicher, dass auch Gutes im Menschen existiert; trotzdem glaubte sie immer an das Gute im Menschen und hoffte auf Ruhe und Frieden in der Welt.

Am 24. Februar griff Russland die Ukraine an. – Seit zwei Wochen herrscht wieder Krieg in Europa. Das Schlechte im Menschen, das Anne Frank mit ihrem Zitat ausdrückte, ist wieder einmal zum Vorschein getreten. Wir, die Schulgemeinde, möchten auch weiterhin an das Gute im Menschen glauben und wünschen uns Respekt, Wertschätzung, Menschlichkeit und Frieden in der Welt.

Wir möchten uns erheben gegen den Krieg aktuell in der Ukraine, aber auch im Rest der Welt, und friedlich “Hand in Hand” dagegen protestieren.

Deshalb sind wir heute zusammengekommen. Gemeinsam wollen wir zeigen, dass wir als Schule für den Frieden einstehen und schwere Zeiten gemeinsam durchstehen. Gemeinsam malten wir für den Frieden das Symbol der Taube und weitere Friedensbotschaften in den Farben des Regenbogens, als Zeichen für Hoffnung. Gemeinsam bildeten wir eine Menschenkette um die Schule, „Hand in Hand für den Frieden“. Gemeinsam stehen wir jetzt hier, um unserer Friedensbekundung mit Gesang Ausdruck zu verleihen.

Wir wollen allerdings nicht nur Zeichen setzen, sondern uns aktiv für die vom Krieg betroffenen Menschen mit einer Spendenaktion einsetzen. Am kommenden Montag können alle von 8.00 bis 13.00 Uhr Sachspenden zum Ankerplatz bringen. Gesammelt werden Handschuhe, ISO Matten, Schlafsäcke, Desinfektionsmittel, Taschenlampen und Babynahrung… Informationen dazu findet ihr auf Plakaten im Eingangsbereich oder auf der Schulhomepage.

Die heutigen Aktionen: die SV-Kreideaktion, die Menschenkette und die Spendenaktion, stehen zugleich für Werte unserer Schule: Respekt, Toleranz, Menschlichkeit, Frieden und Freiheit. Werte, die wir im täglichen Schulalltag leben, die uns ausmachen und bewegen, uns aber insbesondere in schwierigen Zeiten zusammenhalten und für das Gute in der Welt hoffen lassen. Für diese Werte stehen wir als Schule ein, um sie in die Welt zu tragen und unseren Beitrag zu leisten, um diese zu verändern. Ganz nach dem Auftrag unserer Namensgeberin, die in ihr Tagebuch schrieb: „Wie herrlich es ist, dass niemand auch nur eine einzige Minute zu warten braucht, um damit zu beginnen, die Welt zu verändern.“ Heute setzen wir als Schule aktiv ein Zeichen für Solidarität, Hilfsbereitschaft und für den Frieden in der Welt. Denn „[w]as die Welt braucht, sind nicht mehr erfolgreiche Menschen, sondern mehr Menschen, die Frieden stiften, heilen [und] wiederherstellen“.

Text: Anna Kötter, Q2
Grafik: Christin Bagusat, Lehrerin