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Corona ist uns allen mittlerweile ein Begriff und jeder hat in den letzten Monaten seine eigenen Erfahrungen mit dem Virus gemacht. Und dass in Deutschland Meinungsfreiheit herrscht und jeder seine Gedanken öffentlich kundgeben darf,  wenn man sich hierbei an bestimmte Regeln hält, ist auch klar. Doch was haben diese beiden auf den ersten Blick so unterschiedlichen Aspekte miteinander zu tun?

Nun, es gibt Menschen, die denken, die Maßnahmen zur Eindämmung des Virus schränken die Freiheit des Einzelnen zu sehr ein, und sie gehen deshalb auf die Straße. Viele Demonstranten halten sich hierbei an die vorgegebenen Maßnahmen wie Maskenpflicht und Abstand, jedoch gibt es auch Gruppierungen, die die Gebote ignorieren.

Am bekanntesten sind die sogenannten Querdenker, die häufig noch eine spezielle Bezeichnung haben. So nennt sich eine Gruppe, die gegen die Coronaregeln demonstriert, Querdenker-711, wobei die Zahl 711 für die Telefonvorwahl von Stuttgart steht, denn diese Gruppe kommt aus Stuttgart. Und die Querdenker aus München haben den Zusatz 89. 

Aber alle haben eines gemeinsam: Sie demonstrieren für eine „Wiederherstellung der Grundrechte nach dem deutschen Grundgesetz, für die Menschenrechte und die Grundrechte der EU.“ Dabei behaupten sie von sich eine demokratische und friedliche Bewegung zu sein, „in der Extremismus, Gewalt, Antisemitismus und menschenverachtendes Gedankengut keinen Platz haben.“

Jedoch gibt es unter ihnen viele, für die das nicht gilt, denn viele Querdenker stehen der AFD nahe, deren Gesinnung man nun wirklich nicht als demokratisch bezeichnen kann.

Vor kurzem kam es auf einer Demonstration in Hannover sogar zu einem Zwischenfall, den ich definitiv nicht akzeptabel finde: Eine Demonstrantin aus Kassel namens Jana verglich sich öffentlich mit der von den Nationalsozialisten ermordeten Sophie Scholl. Jana behauptet, dass sie durch die vorgeschriebenen Hygienemaßnahmen genauso unterdrückt werde wie die Juden oder Andersdenkende während des Nationalsozialismus. Dieser Vergleich ist absolut unpassend und letztendlich eine Verharmlosung des Holocaust.

Diese junge Frau besitzt die Frechheit sich mit der 22-jährigen Sophie Scholl zu vergleichen, die zum Tode verurteilt wurde, da sie Flyer gegen das nationalsozialistische Regime verteilte.

Und auch ein weiteres Beispiel zeigt, welch ein verqueres Geschichtsbewusstsein manche Querdenker haben. Ein elfjähriges Mädchen verglich sich doch tatsächlich mit Anne Frank, da es durch die Coronaregeln genötigt worden sei, seinen Geburtstag heimlich zu feiern. Es ist unerträglich, dass jemand, der gegen Gesetze verstößt, die Menschen vor einer Krankheit schützen,  sich mit Anne Frank vergleicht, die sich als Jüdin vor der Verfolgung durch Nazis verstecken musste.

Und auch die erwachsenen Querdenker fallen immer wieder durch negative Schlagzeilen auf. So verbreiteten sie im Sommer das Gerücht, Kinder seien aufgrund des Tragens von Mund- und Nasenschutzmasken  gestorben, was nachweislich nicht stimmt.

Erst vor kurzem wurde bei uns im Kreis Gütersloh davor gewarnt, dass Querdenker Kinder vor ihrer Schule anhalten wollten, um sie von der Maskenpflicht abzuhalten. Die  Querdenker hatten sogar vor, Kindern Geld zu geben, wenn diese ohne Masken in die Schule gehen würden.

Ein großes Problem ist auch, dass sich viele bei ihren Demonstrationen nicht an die Gesundheitsmaßnahmen halten. So mussten einzelne Demonstrationen mit großem Polizeiaufgebot aufgelöst werden, da die Teilnehmer sich weder an die Abstandsregeln noch an die Maskenpflicht hielten. Und die Folge dieses Verhaltens ist natürlich, dass es noch mehr Coronainfektionen gibt, als wären die Zahlen nicht sowieso schon viel zu hoch.

Außerdem gibt es immer wieder Menschen, die nicht bereit sind, ihre Kontaktpersonen zu nennen, was die Nachverfolgung der Infizierten erschwert.

Die Querdenker scheinen nicht verstanden zu haben, dass es unter den Infizierten leider sehr viele Schwerkranke gibt, die in Krankenhäusern gepflegt werden müssen. Die ersten Kliniken melden schon, dass die Kapazitäten der Betten für Schwerkranke eng werden und die Todeszahlen steigen in einer erschreckenden Weise.

Meiner Meinung nach sind die durch die Querdenker vertretenen Positionen nicht akzeptabel. Natürlich darf jeder seine Meinung kundtun, denn wie oben gesagt, gibt es in Deutschland die Meinungsfreiheit. Aber was zum Beispiel gar nicht geht, sind die Versuche die Kinder zu manipulieren.

Außerdem ist es doch wirklich nicht so schwer, sich an die Regeln halten und die Maske zu tragen.

Wir alle wollen endlich wieder in einer halbwegs normalen Umgebung leben, in der wir irgendwann nicht mehr die Masken tragen müssen. Wir wollen unsere Familien sehen, unsere Freunde treffen, Geburtstage feiern, in den Urlaub fahren und einfach unser Leben genießen, doch dies alles geht nur, wenn sich jeder einzelne Bürger an die Maßnahmen hält.

Text: Larissa Heitmann, Q2

Foto: Fabian Flöper